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| Dietmar Dath |
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Freitag, 25. Juli 2014
Feldeváye (6) – Dietmar Dath erfindet ein neues Genre: Art-Fiction
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| Dietmar Dath und Barbara Kirchner |
Dieses Buch enthält in einem sehr breiten Sinn den
theoretischen Hintergrund von “Feldeváye”. Oder anders herum: “Feldeváye” ist
die Exemplifikation des “Implex” am Bereich der Künste, der Kunstwissenschaft
und ihrer Einbettung in die Gesellschaft. Es ist keine Science-Fiction, sondern Art-Fiction,
etwas verblüffend Neues.
Im Dankwort am Ende des Romans schreibt Dath: “Kunstdiskurs?
Lass mal, es ist ein Roman” (S. 804)
Im nächsten Beitrag zeige ich an Beispielen, wie er das
meint und macht.
Donnerstag, 24. Juli 2014
Feldeváye (5) – Dieses Buch ist eine Zumutung!
Die zweiten hundert Seiten von "Feldeváye" waren eine Qual! Und
viele der vielen hundert weiteren Seiten desgleichen. Es geht also nicht so nett weiter, wie die ersten beiden Kapitel vermuten ließen.
Warum habe ich dennoch durchgehalten? (Ich habe es ganz
gelesen.)
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| Leser von Diethmar Daths Roman "Feldeváye" |
Der Roman strahlt in seiner ganzen Machart eine gewaltige
Arroganz aus. Auch das Dankwort am Ende beginnt mit solch einem Satz: “Das Buch
gehört denen, die damit etwas tun können, das viel zu selten getan wird” (S.
803).
So etwas regt mich auf, gefällt mir aber auch. Jedenfalls,
wenn ich hinter der Arroganz eine besondere Intelligenz vermute.
Auch gibt es immer wieder Seiten von großer sprachlicher und
gedanklicher Schönheit.
Dennoch: Wenn ich mit diesem Lesetagebuch so weitermache, wie
vor zwei Jahren mit Jan Brandts “Gegen die Welt” – das waren vergnügliche fünfundzwanzig Beiträge – dann geht mir mein Blog vor die Hunde.
Ich bringe darum noch etwa fünf Posts, in denen ich zu
sagen versuche, was mich an diesem Roman fasziniert und so maßlos ärgert und was für eine
Idee des Schreibens ihm zugrundeliegt.
Vorläufig warne ich jeden meiner Freunde und Bekannten, sich
dieses Buch zu kaufen.
Mittwoch, 23. Juli 2014
Feldeváye (4) - Personalwechsel
Im zweiten Kapitel findet die fünfzehnjährige Kathrin Ristau
bei einer Schlittenexpedition im ewigen Eis von Feldeváye drei große
Tafelbilder, die von den Lapithen durch ein leuchtendes Tor dorthin gebeamt
wurden. Die Gemälde zeigen eine nackte Frau in verschiedenen Haltungen. Kathrin
beschreibt ausführlich den Eindruck, den sie auf sie machen.
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| Kuroda Seiki, Weisheit, Sinneswelt, Gefühl (1897) |
Dann detoniert plötzlich das Raumschiff von Klemens und
Severin in der Nähe im Eis. Das sorgt für die nötige Konfusion. Kathrin bleibt
unverletzt.
Eine herbeigerufene Spezialistin identifiziert später die
Bilder: “Kuroda Seiki. Die Bilder sind … etwa … ein paar tausend Jahre alt,
entstanden in Japan” - “Japan … ein
Urbeum auf der Wiege?” – “Größer als ein Urbeum. Und zugleich verstreuter”(S.
66f.). Die “Wiege” ist das Wort, das für
den Heimatplaneten der Menschheit benutzt wird, in der Zeit vor der “Hidschra”,
dem galaktischen und inzwischen transgalaktischen Aufbruch.
Kuroda Seiki
(1866-1924) war ein Maler aus der Zeit nach der Öffnung Japans gegenüber
dem Westen. Er vermittelte die japanische Tradition mit der europäischen Kunst
der Jahrhundertwende. Die drei Bilder aus dem Jahr 1897 sind Allegorien der
Weisheit, des Gefühls und der Sinne.
Was sie dort im Eis sollen, ist den Figuren des Romans und dem erstaunten Leser unbekannt, und das wird noch lange so bleiben.
Kathrin ist die eigentliche Hauptfigur des Romans. Sie steht
im Zentrum der sich auf den folgenden 700 Seiten über Jahrzehnte erstreckenden
Handlung, die teils aus der individuellen Perspektive Kathrins und ihrer
Freunde, teils aus der galaktischen Großperspektive der Interessenkonflikte
verschiedener Menschengruppen und Alienrassen erzählt wird. Klemens und später
Severin haben darin allerdings auch eine Rolle.
Montag, 21. Juli 2014
Feldeváye (3) - Das erste Kapitel: Abflug und Absturz
Ausgangssituation: zwei Männer, Severin und Klemens, Mitte
dreißig, erfolgreich in einem der technologisch fortgeschrittensten Gebiete der
Galaxis, dem “Schattenspiegel”, in einer Gesellschaft, tausende Jahre in der
Zukunft, die keine “Mangelgesellschaft” mehr ist, die keine Geldwirtschaft mehr
braucht, in der das, was früher “Kunst” gewesen ist, so überflüssig geworden
ist, dass keiner mehr weiß, was “Kunst” auf Mutter Erde überhaupt bedeutet
haben könnte.
Was sie in ihrer täglichen Arbeitswelt tun, ähnelt dennoch
fatal dem, was wir Heutige unter Kunst beziehungsweise den zukünftigen
Möglichkeiten von Kunst, verstehen würden: die Anwendung komplexer
naturwissenschaftlich-technischer Erkenntnisse auf Körper, Psyche, Geist, die
mediale Erweiterung der Möglichkeiten der Wahrnehmung und des Empfindens, die
direkte schöpferische Verbindung des Gehirns mit Großcomputern, die Aufhebung
der Grenzen von männlicher und weiblicher Sexualität, die Verlängerung des
Lebens, die Verstärkung und Verbreiterung körperlicher Fähigkeiten weit über
das Spektrum des heutigen Menschen hinaus.
Die Galaxis ist von dutzenden Menschen- und Fremdvölkern
besiedelt, relativ friedlich wie es scheint. Manche davon sind rätselhaft und
uralt, zum Beispiel die Lapithen. Sie haben den anderen ihre überlegene
Technologie zur Verfügung gestellt, die “Verkürzer” zum Beispiel, mit denen
überlichtschnelle Reisen ermöglicht werden. Die Lapithen sind es auch, die
Kunstartefakte aus der Vergangenheit der Menschheit, aus der Zeit vor der
galaktischen Ausdehnung, auf dem entlegenen Planeten Feldeváye erscheinen
lassen und damit einen undurchsichtigen Zweck verfolgen.
Die zwei Männer, erfolgreich, verliebt und neugierig wie sie
sind, wollen mehr aus ihrem Überflussleben machen, bauen sich ein halb
technisches, halb biologisches Raumschiff und machen sich auf die weite, lange
Reise nach Feldeváye.
Und einen Moment lang verhält sich dieser überaus merkwürdige Roman von Dietmar Dath wie ein SF-Serien-Thriller der trivialen Art: das Raumschiff stürzt bei der Ankunft über dem fremden Planeten ab, landet als Wrack in der polaren Eiswüste, Klemens überlebt, Severin gerät schwerletzt ins Koma. Wie geht es weiter?
Samstag, 19. Juli 2014
Feldeváye (2) - Seite 1
Was reizt mich an diesem 800-Seiten-SF-Schinken, den ein Rezensent bereits als “unlesbar” abqualifiziert hat?
Nun, wenn auf der ersten Seite eines Romans bereits Dinge
der allgemeinen und speziellen Art formuliert werden, die meine Neugier wecken,
dann bin ich dabei (und wenn das nach fünf Seiten immer noch nicht passiert
ist, dann leg’ ich ihn weg!).
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| Dietmar Dath, der Autor von "Feldeváye" |
“Tief in die Himmel”! – Da tut sich was auf!!
Und was das Spezielle angeht, blieb ich hieran hängen: “Klemens
… entwarf und verbesserte lehrreiche, ungefährliche Krankheiten.”
Das ist irritierend und deutlich zugleich, auch wenn man
weiterlesen muss, um sich vorstellen zu können, was damit gemeint ist: Hier
wird eine Welt entworfen, in der alle natürlichen Krankheiten ausgerottet sind.
Und in solch einer Welt können künstliche Krankheiten zu einer modischen Droge
werden, die exotische körperliche Sensationen verschafft. Ärzte braucht man in
dieser Welt nicht, um Krankheiten zu bekämpfen, sondern um sie zu erfinden. Ein
verstörender, origineller Gedanke!
Und dann noch das Statement von Severin zur conditio humana, oben auf der zweiten
Seite: “Das Unnatürliche liegt uns.”
Na, da bin ich doch dabei!
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