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Mittwoch, 7. Dezember 2022

Peter Handke 80 Jahre alt



Ich habe im Laufe der Jahre in Café Deutschland viele Beiträge zu Peter Handke geschrieben. (Guckt ruhig mal nach, indem ihr seinen Namen in die Suchzeile hier rechts schreibt!)

Zum Achtzigsten (6. Dezember) präsentiere ich noch einmal meinen kleinen Beitrag zu „Versuch über die Jukebox“, den ich vor zehn Jahren geschrieben habe:

https://cafe-deutschland.blogspot.com/2012/01/blog-post.html 

Sonntag, 13. November 2022

Wiener Volksoper: „Die Zauberflöte“ als Wimmelbild


Einmal in Wien in die Oper: Das habe ich schon lange gewollt. Und nun wurde es die „Zauberflöte“ in der Volksoper.

Natürlich war es schön! Das garantiert Mozarts Musik. Die Wiener Presse hat die Inszenierung hoch gelobt. Sie sei auch für Kinder sehr geeignet. Das stimmt: am Samstag sah man dann auch scharenweise Erwachsene mit ihren Kindern im Opernhaus.

Die Inszenierung kombiniert das große Bühnenspiel der realen Sänger mit einem auf Lebensgröße aufgeblasenen Puppentheater. Da braucht es pro Puppe schon zwei hinterdreinschleichende Spieler, die all die Märchentiere und leider (in der ersten Hälfte) auch die drei Knaben bewegen müssen. Das ergibt zwar einige rührende Szenen und ist auch gut gemacht, läßt die Bühne aber oft wie ein riesiges Wimmelbild erscheinen, auf dem sich viel zu viel tummelt, das mit der eigentlichen Oper nichts zu tun hat.

Das Ungeheuer ist sehr groß
Hinzu kommt in der Sarastrowelt ein himmelschreiendes Tohuwabohou von gemischt-kolonialen Elementen wie Tropenhelmen, Federbüschen, Eingeborenenexotik, Maschinenpistolen (!), Fezen, Stiefelschäften usw.: Wimmelbild hoch zwei!

Und die Botschaft, ach die Botschaft dieses Tages an die Kinder ist: schützet die Natur! Versinnbildlicht durch einen älteren Herrn in langem Gewande, der, in jeder Hand eine Gießkanne, durch den Garten schreitet und die Pflanzen wässert. Oh mein Gott!!!

Die Sänger und Sängerinnen waren gut. Ich habe hier und heute nicht die Zeit, dazu etwas zu schreiben, denn ich muss mir ja noch Wien ansehen.

Eine ganz blöde Empfindung noch zum Schluss: die Volksoper liegt direkt an der Hochbahn, und die vorbeifahrenden Züge verursachen im Opernsaal dumpf grummelnde Vibrationen, an die man sich nicht gewöhnen kann.

Samstag, 22. Oktober 2022

Meine kleine Ukraine-Bibliothek (24): Friedenspreis für Zhadan




Sonntag erhält der ukrainische Schriftsteller Serhij Zhadan in Frankfurt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Die Veranstaltung wird von 10:45 - 12:00 in der ARD übertragen.

Vor zehn Tagen ist Zhadans Kriegstagebuch „Himmel über Charkiw“ auf Deutsch erschienen. Seine drastische Art, über die Russen zu schreiben hat in der Presse zu Auseinandersetzungen über seine Preiswürdigkeit geführt.


D


Gleichzeitig ist Andrej Kurkows Kiewer „Tagebuch einer Invasion“ erschienen (Haymon Verlag, 320 Seiten, € 19,90). Hiervon gibt es auch eine niederländische Ausgabe: Andrej Koerkov „Dagboek van een invasie“ (Balans, € 21,99).

Andrej Koerkov wird am 5. November während der Veranstaltung „Crossing Borders“ in Den Haag von Michel Krielaars interviewt (Theater aan het Spui, 14-15 Uhr).

Samstag, 1. Oktober 2022

Meine kleine Ukraine-Bibliothek (23): Timothy Snyder und die deutsche Geschichtspolitik

 



Timothy Snyder ist der Verfasser mehrerer wichtiger Werke zur blutigen Geschichte Mitteleuropas unter den Sowjets und den Nationalsozialisten. In der aktuellen Debatte zu Putins Krieg gegen die Ukraine und Deutschlands Haltung hierzu hat er sich mehrfach in den deutschen Medien geäußert.

Hier ist der Artikel „Falsche Erinnerungen“ vom 28.5.2022 im „Spiegel“, der für mich persönlich ein ungewöhnlicher Wendepunkt gewesen ist und zur Entstehung meiner kleinen Ukraine-Bibliothek wesentlich beigetragen hat:



Mittwoch, 28. September 2022

Meine kleine Ukraine-Bibliothek (22): Rose Ausländer und das Viersprachenland


Bukowina

 

Grüne Mutter

Bukowina

Schmetterlinge im Haar

 

Trink

Sagt die Sonne

Rote Melonenmilch

Weiße Kukuruzmilch

Ich mache sie süß

 

Violette Föhrenzapfen

Luftflügel Vögel und Laub

 

Der Karpatenrücken

Väterlich

Lädt dich ein

Dich zu tragen

 

Vier Sprachen

Viersprachenlieder

 

Menschen

Die sich verstehn

 

Rose Ausländer, geboren 1901 in Czernowitz, gestorben 1988 in Düsseldorf


Andreas Kilcher hat am 25.9.2022 in der Neuen Zürcher Zeitung einen schönen Artikel über Rose Ausländer geschrieben.

(Die NZZ ist frei zugänglich, wenn man sich registrieren lässt.)

Viel mehr dazu (und zu anderen Autoren aus der Bukowina) im

Bukowinaportal

und in der Dissertation der Ukrainerin

Natalia Shchyhlevska, Deutschsprachige Autoren aus der Bukowina, Frankfurt am Main 2004



Meine kleine Ukraine-Bibliothek (21): Joseph Roth und die "Weltaufteiler"

 


Joseph Roth, geboren 1894 in Brodsky/Galizien, gestorben 1939 in Paris


Joseph Roth zur Situation in Mitteleuropa nach der Pariser Friedenskonferenz von 1919:


“In diesem Europa, in dem die möglichst große Selbständigkeit der Nationen das oberste Prinzip der Friedensschlüsse, Gebietsteilungen und Staatengründungen war, hätte es de europäischen und amerikanischen Kennern der Geographie nicht passieren dürfen, dass ein großes 

V o l k  v o n  30 M i l l i o n e n  in mehrere nationale Minderheiten zerschlagen, in verschiedenen Staaten weiterlebe. Zwingt man sich (wider sein besseres Wissen) zu jener naiven Anschauung, dass die Nationen von Europa in säuberlich voneinander getrennten Gebieten leben, wie auf Schachbrettern, so ist nicht einzusehen, weshalb man ein großes Volk einfach vergaß und weshalb man das Gebiet, auf dem es lebt, nicht zusammenzuschließen versuchte, sondern neuerlich aufteilte. Die Ukrainer, die in Russland, in Polen, in der Tschechoslowakei, in Rumänien vorhanden sind, verdienten gewiss einen eigenen Staat, wie jedes ihrer Wirtsvölker. Aber sie kommen in den Lehrbüchern, aus denen die Weltaufteiler ihre Kenntnisse beziehen, weniger ausführlich vor als in der Natur – und das ist ihr Verhängnis.“

 

(aus: Joseph Roth, „Die ukrainische Minderheit“, Frankfurter Zeitung, 12. August 1928)

Samstag, 24. September 2022

Kasperletheater



With thanks to Doris en Deb


Zum ersten Mal seit vielen Jahren sind die hand-geschnitzten Kasperlepuppen meines Onkels wieder in meinem Haus zusammen: Großmutter, der Teufel, Gretchen, Kasper, das junge Königspaar, der Räuber-hauptmann, der Seemann und der Gendarm (mit der grünen Uniform; die anderen Kostüme sind leider ver-loren gegangen). Nur der Tod fehlt, aber der hat ja auch immer viel zu tun.