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Donnerstag, 23. April 2026

Lago Maggiore (3): Paolo Troubetzkoy, „Bugatti“

Beim ersten Spaziergang, den ich vorletzte Woche mit der Wandergruppe in Pallanza (Verbania) machte, kamen wir am örtlichen Museum vorbei. Ich sah im Hof durchs Fenster eine Skulptur, die mich sofort faszinierte und fotografierte sie:

Skulptur eines Autofahrers
Foto (durch die Fensterscheibe): P. Groenewold

Als wir zwei Tage später wegen Regens das Museum besuchten, war ich natürlich neugierig. Es gab dort eine Sammlung von Skulpturen des lokal sehr berühmten italienischen Bildhauers Paolo Troubetzkoy (1866-1938, russischer Herkunft). Dieser war mit der Familie des Autofabrikanten Ettore Bugatti befreundet und hat von mehreren Familienmitgliedern Skulpturen geschaffen.

Die Beschriftung zu dieser Skulptur gab wenig konkrete Auskunft, nur dass es sich bei dem Auto um einen Bugatti handelt. Von dem berühmten Wagen kriegen wir allerdings kaum etwas zu sehen. Nur den Fahrer, der bequem am Steuer sitzt. Darum herum bricht das Gipsmodell brutal ab. Die eingezogenen Holzstützen sind sichtbar.

Wer ist er und was faszinierte mich so an ihm? Es muss die absolute Identität mit dem schnellen Automobil sein, die er ausstrahlt. Und das in einer Zeit, wo das noch neu war. Troubetzkoy muss das auch so empfunden haben. Er hat noch eine zweite Version davon gemacht, bei der der Fahrer sich entspannt zurücklehnt und die rechte Hand offenbar an einem Schaltknüppel hat. 



Für mich ist das alles eher ungewöhnlich, weil ich im Leben an keinem Steuerrad gesessen habe. Aber ich bin empfänglich für technische Reize und die Ästhetik von Maschinen.

Aber wer ist der Mann? 

Schon nach kurzer Suche fand ich einen Artikel in The Bugatti Revue, der auf Troubetzkoys Skulpturen zur Bugatti-Familie eingeht und die Identität des Mannes offenbart: Es handelt sich um den mit Ettore Bugatti befreundeten Rennfahrer Ernest Friedrich (1886-1954), der mit dem Bugatti Typ 13 im Großen Preis von Frankreich (Le Mans) 1911 Zweiter geworden war. Kurz darauf müssen diese Gipsmodelle entstanden sein, also 1911/12.

Der Rennfahrer Ernest Friedrich in einem Bugatti Typ 13

Das Ganze faszinierte mich umso mehr als am Ende meiner Reise ein Bugattiwrack aus dem Lago Maggiore eine Rolle gespielt hat. Davon später mehr.






Freitag, 17. April 2026

Donnerstag, 16. April 2026

Lago Maggiore Traumparadies - Vom Fake zur Realität

Meine erste Begegnung mit dem Lago Maggiore fand etwa1960 vor dem Radio statt: In dem Film „Conny und Peter machen Musik“ singt Conny Froboess ihren erfolgreichen Schlager „Lago Maggiore Traumparadies“, begleitet von ein paar abendlichen Seebildern. Ich war damals 12 Jahre alt und saß in der Küche vor dem Kofferradio. Die Melodie hat sich mir tief eingeprägt. Der Peter war nicht ich, sondern der Schlagersänger Peter Kraus, von dem man denken mag, was man will (wie in allen Dingen vorläufig noch). Aber auf die Conny lasse ich nichts kommen. Hier ist das Video:


In Wirklichkeit wurden die Aufnahmen für den Film in Lugano am Luganer See gemacht. Die junge westdeutsche Filmindustrie nahm es wie alle Bildmedien zu allen Zeiten nicht so genau.

Als mir das letztens auffiel, habe ich keine Kosten und Mühen gescheut, den Schlager meiner Jugend mit einem authentischen, von mir persönlich gemachten Foto vom Lago Maggiore zu versehen.

Voilá, hier ist es:

Der Lago Maggiore am letzten Samstagmorgen.
Bei der Insel handelt es sich um die Isola Madre, 
 auf der ich am Tag zuvor gewesen war,
gesehen von einer Anhöhe bei Verbania-Suna aus
 (Foto: P. Groenewold)


Freitag, 6. März 2026

Kristine Bilkau am 24. März in Groningen!

 

Kristine Bilkau

Hier ist die Information der Buchhandlung Godert Walter dazu:

Am Dienstag, den 24. März 2026, ist die deutsche Schriftstellerin Kristine Bilkau zu Gast in Walter's Bookshop. An diesem Abend wird sie von Peter Groenewold zu ihrem Roman „Halbinsel” interviewt, der kürzlich auch unter dem Titel „Schiereiland” auf Niederländisch erschienen ist. Der Abend wird in Zusammenarbeit mit Uitgeverij Cossee organisiert.

Der Abend beginnt um 20 Uhr, Einlass ist ab 19.30 Uhr. Die Veranstaltungssprache ist Deutsch und der Eintritt beträgt 5 Euro (Studenten 2,50). Aufgrund der begrenzten Platzkapazität bitten wir Sie, sich vorab unter info@godertwalter.nl
anzumelden.

Das Buch
Eine Halbinsel im nordfriesischen Wattenmeer. Hier, an der Nordsee, lebt Annett, Ende vierzig, seit vielen Jahren, hier hat sie nach dem frühen Tod ihres Mannes ihre Tochter Linn allein großgezogen. Linn, Mitte zwanzig, ist nach dem Abitur voller Energie in die Welt gezogen, hat sich in schwedischen und rumänischen Wäldern als Umweltvolontärin engagiert, arbeitet für ein Aufforstungsprojekt. Für Annett ist ihre Tochter die Verkörperung von Hoffnung, Sinn und Zukunft. Doch auf einer Tagung, während eines Vortrags kippt Linn um, Kreislaufzusammenbruch, Erschöpfung. Annett holt sie für eine Woche zu sich nach Hause, ans Meer, nahe Husum. Aus einer werden zwei, dann drei Wochen, dann Monate. Zerrieben zwischen Leistungsdruck und Sinnsuche, scheint Linn mit Mitte Zwanzig an einem Nullpunkt. Annett fühlt sich hilflos angesichts der Antriebslosigkeit ihrer Tochter. Mit der Zeit brechen Konflikte auf, zwischen Mutter und Tochter, aber auch zwischen zwei Generationen. Die eine muss die Lebenswirklichkeit der anderen neu verstehen lernen.

Mit großem Gespür für das Zwischenmenschliche lotet Kristine Bilkau die drängenden Fragen unserer Zeit aus - die Frage nach der Verantwortung der Älteren für den Zustand der Welt sowie der Wunsch der Jüngeren, das eigene Leben mit Sinn zu füllen.


Kristine Bilkau
Kristine Bilkau, 1974 geboren, arbeitet als Journalistin und Schriftstellerin und lebt mit ihrer Familie in Hamburg. 2025 erhielt sie den Leipziger Buchpreis für ihren Roman Halbinsel.


Datum: Dienstag, 24. März 2026 
Ort: Walter's Bookshop, Oude Kijk in't Jatstraat 10, 9712 EG Groningen
Beginn: 20:00 Uhr (Einlass 19:30 Uhr)
Sprache: Deutsch
Eintritt: 5 Euro, Studenten 2,50 Euro, Reservierung erwünscht: im Laden, per E-Mail an info@godertwalter.nl oder telefonisch unter 050 312 25 23.


Donnerstag, 26. Februar 2026

DIE ZEIT wird 80 - Sonderausgabe!


 Am 21. Februar 1946 erschien die erste Ausgabe der ZEIT. Aus diesem Anlass gibt es am 21. Februar 2026 eine Extra-Ausgabe, die auch einen Reprint der Erstausgabe enthält.

Außerdem allerlei Interviews und Reminiszenen über Menschen, die dieses Jahr auch 80 werden, unter anderen mit Uschi Obermaier, die in meinen Westberliner 60er Jahren jedem ein Begriff war und es geschafft hat, ohne große Leistungen im bürgerlichen Sinne das bis heute zu bleiben, durch ihre pure Existenzialität. Der Chefredakteur Giovanni di Lorenzo hat ein schönes Interview mit ihr gemacht.

Es hat Kritik an dieser Ausgabe gegeben: die DDR-Geschichte und ostdeutsche Persönlichkeiten wurden vermisst. Aber die ZEIT ist tatsächlich in allererster Linie das physisch, psychisch und intellektuell  bedeutendste Presseorgan der alten Bundesrepublik gewesen. Lasst sie ruhig ihr Alter feiern. Ich habe mit 16 angefangen, sie zu lesen und tue das noch immer im Riesenformat auf Papier. Nur so kriege ich ein Zeitgefühl.

 


Freitag, 20. Februar 2026

Blutige Realität: die Berliner Schaubühne!



Vor einigen Tagen fand ich auf Facebook dieses rezente Foto von der Berliner Schaubühne, die ich in den siebziger Jahren oft besucht habe. 

„Wie soll das alles weitergehen?“ Diese große, programmübergreifende Frage, die hier dem vorübergleitenden, rutschenden und ausrutschenden Publikum gezeigt wird, hat mich an meine vielleicht ein wenig irritierenden Beiträge zum deutschen literarischen Feuilleton erinnert: So habe ich unter dem Titel „Was soll das werden?“ am 11. Dezember einige Überlegungen über das sich verändernde Verhältnis von Literatur und Realität angestellt.

Nun setzt uns dieselbe Schaubühne mit einem dramatischen Ereignis in fassungsloses Erstaunen, wenn nicht gar Entsetzen: Bei einer Aufführung von Shakespeares „Richard III.“ entgleitet dem großen Lars Eidinger der Degen und verletzt eine Zuschauerin in der ersten Reihe am Kopf!

Was ich schon ahnte: Literatur wird blutige Realität. All unsere Sicherheiten, sie sind dahin. Die Berliner Schaubühne ist am Puls der Zeit!


Julia Schoch war in Groningen

 Am 11. Februar wurde Julia Schoch von mir in der Groninger Galerie Pictura interviewt. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand ihr Roman „Das Liebespaar des Jahrhunderts“ (2023).

Das Gespräch fand auf Deutsch statt, und dafür hatten wir mit 40 Teilnehmern für Groninger Verhältnisse ein gutes Publikum.

Foto: P. Prescher

Ich komme darauf noch in einem weiteren Beitrag zurück.