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Freitag, 20. Februar 2026

Blutige Realität: die Berliner Schaubühne!



Vor einigen Tagen fand ich auf Facebook dieses rezente Foto von der Berliner Schaubühne, die ich in den siebziger Jahren oft besucht habe. 

„Wie soll das alles weitergehen?“ Diese große, programmübergreifende Frage, die hier dem vorübergleitenden, rutschenden und ausrutschenden Publikum gezeigt wird, hat mich an meine vielleicht ein wenig irritierenden Beiträge zum deutschen literarischen Feuilleton erinnert: So habe ich unter dem Titel „Was soll das werden?“ am 11. Dezember einige Überlegungen über das sich verändernde Verhältnis von Literatur und Realität angestellt.

Nun setzt uns dieselbe Schaubühne mit einem dramatischen Ereignis in fassungsloses Erstaunen, wenn nicht gar Entsetzen: Bei einer Aufführung von Shakespeares „Richard III.“ entgleitet dem großen Lars Eidinger der Degen und verletzt eine Zuschauerin in der ersten Reihe am Kopf!

Was ich schon ahnte: Literatur wird blutige Realität. All unsere Sicherheiten, sie sind dahin. Die Berliner Schaubühne ist am Puls der Zeit!


Julia Schoch war in Groningen

 Am 11. Februar wurde Julia Schoch von mir in der Groninger Galerie Pictura interviewt. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand ihr Roman „Das Liebespaar des Jahrhunderts“ (2023).

Das Gespräch fand auf Deutsch statt, und dafür hatten wir mit 40 Teilnehmern für Groninger Verhältnisse ein gutes Publikum.

Foto: P. Prescher

Ich komme darauf noch in einem weiteren Beitrag zurück. 

Sonntag, 15. Februar 2026

„Die selbständige politische Einheit Westberlin“

 Ich muss diesen DDR-Stadtplan von Berlin (Hauptstadt der DDR plus Westberlin) noch irgendwo auf meinem Dachboden haben:


Dies ist kein Fake. Diesen Stadtplan gab es wirklich.

Donnerstag, 12. Februar 2026

Zur Erinnerung an Cees Nooteboom: sein Berlin im Roman Allerzielen (Allerseelen)

 


Der Flaneur nach Auschwitz

Cees Nooteboom und Armando in Berlin


Peter Groenewold, Rijksuniversiteit Groningen
                                          

Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen, und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradies her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, daß der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm.[1]

                               Walter Benjamin, Geschichtsphilosophische Thesen (1940)


1. Nooteboom läuft

Auf der allerletzten Seite von Cees Nootebooms Roman Allerzielen (1998), die mancher Leser vielleicht gar nicht entdeckt, da er mit einer gewissen Berechtigung der Meinung ist, der Roman sei bereits zuende - findet sich ein Zitat  des italienischen Autors Roberto Calasso aus dessen literarisch-geschichtsphilosophischer Reflektion der Moderne De ondergang van Kasj. Das Zitat enthält eine Kritik an der modernen Geschichtswissenschaft. Es lautet: “Met haar honger naar de meest irrelevante details, haar vermogen hele planken documenten te verslinden die op het punt stonden tot stof te vergaan, kruisverhoren die misschien nooit door iemand waren gelezen, niets eens door de griffier die ze eigenhandig had geschreven, is de geschiedschrijving de laatste decennia voortgegaan, al spiegelde ze zichzelf wat haar motieven betreft maar wat voor: hele horden onderzoekers meenden de waarheid dichter te benaderen door stapels papier door te werken – of meenden zelfs wetenschappelijk bezig te zijn door cijfers en tabellen te verklaren. Hoe verwoeder ze de nuchtere gegevens echter omcirkelden, hoe duidelijker die het ondoorgrondelijk mysterie van ieder historisch spoor blootlegden. Achter die namen, notariële akten en juridische dossiers gaapte te onmetelijke afasie van het leven dat zich in zichzelf opsluit.”[2]
Zum Weiterlesen hier klicken:

Samstag, 31. Januar 2026

Kloster Frenswegen 29. - 31.Januar 2026

                           Es ist wieder schön gewesen!

Abbildung Peter Groenewold/ChatGPT

 

 


Mittwoch, 28. Januar 2026

Coming of Age - Deutschsprachige Romane im 21. Jahrhundert

Ich bin ein Freund von Listen. Diese ist in erster Linie für die niederländischen Deutschlehrer bestimmt, die sich diese Woche im Kloster Frenswegen treffen werden:

Coming of Age – Deutsche Romane im 21. Jahrhundert

Benjamin Lebert, Crazy (1999)

Juli Zeh, Spieltrieb (2004)

Benedict Wells, Spinner (2009), Fast genial (2009), Hard Land (2021)

Wolfgang Herrndorf, Tschick (2010)

Helene Hegemann, Axolotl Roadkill (2010)

Angelika Klüssendorf, Das Mädchen (2011)

Jan Brandt, Gegen die Welt (2011)

Nils Mohl, Es war einmal Indianerland (2011)

Bov Bjerg, Auerhaus (2015)

Axel Ranisch, Nackt über Berlin (2016)

Bodo Kirchhoff, Dämmer und Aufruhr. Roman der frühen Jahre (2018)

Matthias Brandt, Blackbird (2019)

Ewald Arenz, Der große Sommer (2021)

Julia von Lucadou, Tick Tack (2022)

Christian Huber, Man vergisst nicht wie man schwimmt (2022)

Tonio Schachinger, Echtzeitalter (2023)

Caroline Wahl, 22 Bahnen (2023)

Elena Fischer, Paradise Garden (2023)

Dana Vowinckel, Gewässer im Ziplock (2024)

Kurt Prödel, Klapper (2025)




 

 

 

 


Freitag, 23. Januar 2026

Love and History: Julia Schoch kommt nach Groningen

 Am 11. Februar wird die sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden sehr erfolgreiche Schriftstellerin Julia Schoch nach Groningen kommen.

Ich interviewe sie dann auf deutsch um 19:30 in der Galerie Pictura (Groningen, Sint Walburgstraat 1). Dabei wird ihr Roman „Das Liebespaar des Jahrhunderts“ (Nederlandse editie „Het liefdespaar van de eeuw“) im Mittelpunkt stehen. 


Der Roman ist der mittlere Teil einer Trilogie, in der es in verschiedenen Perspektiven um die Liebeserfahrungen der Erzählerin geht. Im Hintergrund spielen die Lebenserfahrungen der Autorin eine Rolle, die durch die gesellschaftlich-politisch-mentale Revolution 1989/91 in der DDR bestimmt sind. 

Julia Schoch war in der Zeit 15/16/17 Jahre alt und lebte in Potsdam. Sie ging dort zunächst auf ein Sportgymnasium und wurde als Steuerfrau im Rudervierer DDR-Meisterin. Sie verlor ihr Land. Die umwälzenden Erfahrungen bestimmten ihr persönliches Leben in den neunziger Jahren und führten letztlich zu ihrer Schriftstellerexistenz im neuen Jahrtausend.

Als man sie bei einem Aufenthalt in den USA fragte, worüber sie schreibe, sagte sie : „Love and History“. 

Nicht dass ihr dabei schon klar war, was sie damit meinte. Das ist ihr Lebensthema geworden. Die drei Romane „Das Vorkommnis“, „Das Liebespaar des Jahrhunderts“ und „Wild nach einem wilden Traum“ (Nederlandse editie: „Wild na een woeste droom“) finden dafür eine eindrucksvolle und für jede(n) zugängliche Sprache und eine eigene Poetologie.

Sie sind nicht nur für ihre eigene Generation (Jahrgang 1974) zugänglich, sondern auch für die folgende und vorhergehende, also zum Beispiel für mich (Jahrgang 1948). Und man muss auch nicht sein Land verloren haben, um das alles interessant zu finden; es genügen schon ein paar ungewöhnliche historische Konstellationen. Bei mir zum Beispiel mein Leben in der merkwürdigen politischen Insel West-Berlin in den 60/70ger Jahren.

Das erklärt den überaus großen Erfolg nicht nur in Deutschland sondern auch international. Jeder Leser, jede Leserin findet in ihren Romanen seine eigen Liebe und seine eigenen Probleme wieder.

Julia Schoch wird uns am 11. Februar darüber berichten und einige Passagen aus dem Liebespaar des Jahrhunderts vorlesen. Fragen können auch auf Niederländisch gestellt werden. Das übersetze ich dann.


Klicke hier für Ihre Anmeldung und ergänzende Informationen zum Abend.