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Sonntag, 13. November 2016

Kerkelings Lieblingslied

Da es angesichts der Weltenwende in der Politik nichts mehr zu lachen gibt, muss ich wenigstens in meinem Blog, das in letzter Zeit durch Überliterarisierung zu verarmen droht, etwas gegensteuern und zwar mit dem begnadetsten Talent unter all den schrägen und windschiefen Komikern in der deutschen Fernsehwelt: Hape Kerkeling (großväterlicherseits ein Niederländer!) mit seiner Version von "Der Junge mit der Mundharmonika":





Das Original, gesungen von Bernd Clüver 1973 ist hier zu bewundern.

Sonntag, 13. Dezember 2015

Ratzke is Bowie


Sven Ratzke in "Starman"
Manchmal scheint es, als ob die schönen und interessanten Dinge in Berlin schon ein halbes Jahr später auch in Groningen zu sehen und erleben sind. Zum Beispiel die gigantische David Bowie-Ausstellung aus dem Gropius-Bau, die jetzt für die nächsten Monate ins Groninger Museum umgezogen ist: Bowie is… in Groningen!

Und auch Sven Ratzkes wunderbare Bowie-Show „Starman“ aus dem Tipi-Zelt am Kanzleramt: Gestern konnten wir sie im Kleinen Saal der Oosterport erleben. Ratzke is Bowie, aber ohne den kleinen Sven in sich zu verleugnen, im Gegenteil: er schnattert sein niederländisches Publikum ganz schön voll mit seinen selbst erfundenen Geschichten.

Doch dann, Bowie sei Dank, wieder ein Song: Mit Major Tom („Space Oddity“) entlässt Sven Ratzke mich beglückt in die Pause, und am Ende rührt er mich mit einer sehr schönen eigenen Version von „Heroes“.

Was soll ich da noch in Berlin?

Freitag, 15. Mai 2015

Rotkäppchen am Frieslandriegel - Roodkapje op het Ballooërveld



Rotkäppchen auf Posten am Frieslandriegel
Die Theatergruppe PeerGroup hat in der stillen Heidelandschaft bei Balloo (Provinz Drenthe) ein ingrimmiges Spektakel angerichtet. Nicht ein, nein gleich zwölf moderne Rotkäppchen gehen unerschrocken auf die Suche nach dem Wolf (der in der Gegend wirklich gesichtet worden ist). 


Das Publikum, das zu Anfang in einem Schafstall von Rotkäppchens Mutter eingestimmt wird, begibt sich dann unter der Leitung des „Feldmanagers“ auf eine zweieinhalbstündige Wanderung durch die Heide, um der Großmutter etwas zu essen zu bringen.

Die Rotkäppchen überqueren den Frieslandriegel
Auf dem Wege stoßen die militärisch diszplinierten und mit Gewehren bewaffneten Rotkäppchen immer wieder auf die Spur des Wolfes, kreisen ihn ein und setzen ihn schließlich gefangen, nur um festzustellen, dass er eigentlich ein ganz lieber, ängstlicher, etwas tolpatschiger Isegrim ist, sozusagen ein Schaf im Wolfspelz (und die Ballooër Schafe spielen auch alle mit). Als den wahren Feind identifizieren sie den Feldmanager, der die Natur immer nur regulieren will.
 
Der Wolf ist eigentlich ganz nett

Ein Teil der Wanderung führt durch den sogenannten Frieslandriegel (die Einheimischen sprechen von der „Tankgracht“), ein dutzende Kilometer langer Graben, den die Deutschen am Ende des Krieges als Panzersperre von den Bewohnern der umliegenden Dörfer haben graben lassen. So bleibt uns auch inmitten der friedlichen Heide der Anblick einer „schuldigen Landschaft“ nicht erspart.



Zum Trost gibt es am Ende für jeden einen Drenther Kruidenbitter.


Die Vorstellung wird noch bis zum zweiten Pfingsttag wiederholt.

Mittwoch, 4. Juni 2014

Sehen oder nicht sehen - Lars Eidingers Hamlet

Im letzten Sommer standen wir in einer Eisdiele am Ludwigkirchplatz in Wilmersdorf. Auf einmal flüsterte G. mir ins Ohr: "Da steht Hamlet!" Ich, in verblüffter Lautstärke: "Hamlet? Wieso Hamlet? Hamlet, wo?" Direkt vor mir stand ein schlanker Mittdreißiger mit modischem Strickkäppchen auf dem Kopf, an seiner Seite ein kleines Töchterchen. Ihm schien ihre Aufregung zu gelten. Mir sagte er nichts. Ich erkannte ihn nicht, aber wer erwartet schon in einer Eisdiele etwas anderes als Eis. (Und doch hatte ich ihn schon gesehen: im Film "Alle anderen" von Maren Ade.) Aber Hamlet? Nein!


Nach mehreren vergeblichen Versuchen - ausverkauft, ausverkauft, ausverkauft - haben wir jetzt endlich Lars Eidingers "Hamlet" in der Regie von Thomas Ostermeier in der Berliner Schaubühne gesehen. Man muss die Karten mindestens vier Wochen vorher bestellen. Die Inszenierung ist ein Welterfolg und schon über den halben Globus gereist.

In den deutschen Feuilletons steht mehr über Lars Eidinger als schauspielerisches Phänomen als über seine Vergegenwärtigung des Hamlet, die für Traditionalisten wohl ein Gräuel ist.

Die Gegenwärtigkeit dieses Hamlets ist jedoch überwältigend. Schaut ihn euch an!






Samstag, 22. März 2014

Tag des Waldes

Jeder Tag ist irgend so ein Tag, gestern dies, heute das. Na, vooruit dan maar, einmal noch:

Heute ist der Tag des Waldes.


Ich darf zu diesem Anlass die Musiklehrerin von G. zitieren: „Carl Maria von Weber schuf mit dem Freischütz den Wald, nicht irgendeinen Wald, sondern den deutschen Wald.“ Die Klasse lag auf dem Boden! Alles alberne Gören der Hippie-Generation.
Die Frau hatte nämlich recht: der „Freischütz“ ist die Oper des deutschen Waldes. Zum Tag des Waldes bringe ich hier den berühmten Jägerchor in der Inszenierung von Victor von Bülow (Loriot):



Was gleicht wohl auf Erden dem Jägervergnügen?
Wem sprudelt der Becher des Lebens so reich?
Beim Klange der Hörner im Grünen zu liegen,
Den Hirsch zu verfolgen durch Dickicht und Teich
Ist fürstliche Freude, ist männlich Verlangen,
Erstärket die Glieder und würzet das Mahl.
Wenn Wälder und Felsen uns hallend umfangen,
Tönt freier und freudiger der volle Choral:
Trallala lala, trallala lala,
Trallala!
Trallala! Trallalala lalala lalala lalala!
Lala, trallala! Trallalala lalala lalala lalala!
Trallalala! Trallalala! Trallalala lala!

2.) Diana ist kundig, die Nacht zu erhellen;
Wie labend am Tage ihr Dunkel uns kühlt!
Den blutigen Wolf und den Eber zu fällen,
Der gierig die grünenden Saaten durchwühlt,
Ist fürstliche Freude, ist männlich Verlangen,
Erstärket die Glieder und würzet das Mahl.
Wenn Wälder und Felsen uns hallend umfangen,
Tönt freier und freudiger der volle Choral:
Trallala lala, trallala lala,
Trallala!
Trallala! Trallalala lalala lalala lalala!
Lala, trallala! Trallalala lalala lalala lalala!
Trallalala! Trallalala! Trallalala lala!

 Sinnigerweise war es die Hippie-Generation, die zwanzig Jahre später die kollektive deutsche Angst vor dem „Waldsterben“ zu einer grünen Ideologie werden ließ. Aber irgendwas war ja dran:


Dienstag, 18. März 2014

Volker Schlöndorffs Baal ist wieder da

Ein Gefühl wie eine Zeitreise: Auf einmal gibt es einen neuen Film mit Rainer Werner Fassbinder, Margarethe von Trotta, Hanna Schygulla und all den anderen aus der frühen Fassbinderzeit.
Rainer Werner Fassbinder und Hanna Schygulla in "Baal"
Neu? Nicht ganz: Vierundvierzig Jahre lang hat Volker Schlöndorffs Film “Baal” (1970) – die Verfilmung von Bertolt Brechts frühem Theaterstück “Baal” (1918) -  hinter Schloss und Riegel gelegen, weil die (mir) unerträgliche Brechtwitwe Helene Weigel es so verfügt hatte. Jetzt kann er wieder gezeigt werden. Die diesjährige Berlinale machte den Anfang.

Wer die ganze Geschichte dieses blödsinnigen Aufführungsverbots hören will, ist bei  dem Artikel von Hans-Georg Rodek in der “Welt” gut aufgehoben.
Übermorgen erscheint auch schon die digital restaurierte Fassung als dvd bei Zweitausendeins.

Ich weise bei dieser Gelegenheit auf die reichhaltige “Edition Deutscher Film” bei Zweitausendeins hin.

Donnerstag, 30. Mai 2013

Zum Tod von Otto Muehl

Diese Woche ist Otto Muehl gestorben. Dokumentationen seiner Aktionen sind auch im Internet nicht ganz leicht zu finden. Sie sind ziemlich heftiger Natur. Aber Kunst darf zu weit gehen. Der Künstler Muehl tat das, der Mensch Muehl leider auch.

Wer sich gewappnet fühlt, findet hier allerlei.

Montag, 31. Dezember 2012

Besinnliches zum Jahreswechsel: Poetry Slam Finale 2012

Ist das nun eine Trendwende in der Slam Poetry? Sind die exzentrischen und effekthascherischen Jahre vorbei?

Die Gewinner im wichtigsten Slam-Event des Jahres 2012 zeichnen sich durch besinnliche und introvertierte Auto-Bio-Prosageschichten aus, in denen nur noch in der Conclusio einige gereimte Rapzeilen auftauchen.
Da kann es auch kein Zufall sein, dass es sowohl im Beitrag von Jule Weber (Siegerin in der Kategorie U 20) als auch in dem von Jarawan um “kleine Brüste” ging. Ängste um die Weiblichkeit. Ängste um die Männlichkeit?

Bei einsplus kann man diese (und auch die anderen Beiträge) sehen.
Nun, bei Jarawan geht es um die Brustwarzen, die Batman (schon seit 1995) trotz seines dicken Körperpanzers sehen lässt. Sollte es sich dabei um die Angst vor der Verweiblichung beziehungsweise Verweichlichung des Mannes handeln? Das Thema ist in: Auch der letzte SPIEGEL im alten Jahr widmet seine Titelgeschichte der “Männerdämmerung”.

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Die Zauberflöte in Amsterdam, Antwerpen und Berlin – Drei Bilderwelten

Drei völlig verschiedene Zauberflöten, die gleichzeitig laufen. Was für Bilderwelten! Hier nur ein paar kurze Fragmente, die die unterschiedlichen Inszenierungen und Interpretationen andeuten:

-   Amsterdam, Muziektheater. Hierzu gab es bereits einen Beitrag in Café Deutschland, da ich die Oper selbst gesehen habe. Ich habe aber einen neuen Youtube-Film gefunden. Diese Inszenierung scheint mir die interessanteste und avancierteste der drei zu sein.