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Montag, 25. Mai 2026

Apropos „Abschied“, Roman von Sebastian Haffner aus dem Jahr 1932 (1)



Als der Roman „Abschied“ letztes Jahr zum ersten Mal aus dem Nachlass von Sebastian Haffner (1907-1999) veröffentlicht wurde, gab es in den Rezensionen viel Begeisterung für diesen autobiographischen Roman voller „Leichtigkeit“, den Raimund Pretzel (das ist Haffners wirklicher Name) vom 18.10.-24.11.1932 niedergeschrieben und in die Schublade gesteckt hatte.

Ernsthafte Bemühungen, das Buch im Kontext seiner Zeit und seines Autors zu sehen, gab es kaum. Wir haben es vor einer Woche in unserem Deutschen Lesecafé bei Godert Walter besprochen. Seitdem mache ich beinahe täglich neue Entdeckungen, auch was die Ernsthaftigkeit und Ambitioniertheit dieses Schreibprojekts betrifft. Dazu gibt es jetzt eine kleine Reihe hier im Blog.

Gestern fiel mir ein möglicher Zusammenhang mit dem großen Erfolgsroman von Vicki Baum, „Menschen im Hotel“ (1929) auf (Auflage im ersten Jahr: 50.000, insgesamt mehrere hunderttausend). Die Bühnenfassung wurde am 16.1.1930 von Gustav Gründgens im Theater am Nollendorfplatz inszeniert. Der Film „Grand Hotel“ mit Greta Garbo erschien in den USA 1932 und kam 1933 nach Deutschland. 1934 wurde dies alles in Deutschland verboten, verhöhnt und verbrannt.

Es geht darin, kurz gesagt, um eine kleine Gruppe Menschen während 36 Stunden in einem Berliner Luxushotel. Ich habe den Roman nie gelesen. Ihm hing ein Hauch von „Unterhaltungsliteratur“ an. Ich will das jetzt nachholen.

Pretzel war 24 als er „Abschied“ schrieb. Darin geht es um eine kleine Gruppe deutscher und internationaler Studenten in einem billigen Hotel in Paris während etwa 30 Stunden im Jahr 1931 und vor allem um seine Liebe zu „Teddy“, eine drei Jahre jüngere österreichische Jüdin. Der Roman ist sehr unterhaltsam. Ich habe ihn schon drei Mal gelesen und entdecke immer wieder Neues.

Niemand hat ihn bisher mit „Menschen im Hotel“ in Verbindung gebracht. Ich bin sehr gespannt.

Samstag, 16. Mai 2026

Zum Internationalen Tag des Lichts: „Das Küstenlicht“ von Olga Wiese

 Zufällig habe ich erfahren, dass heute der Internationale Tag des Lichts ist. Davon hatte ich noch nie gehört. Beim Nachdenken darüber, was für einen Bezug ich dazu haben könnte, fiel mir das Gemälde „Het kustlicht“ der Groninger Künstlerin Olga Wiese ein, das seit fast dreißig Jahren in meinem Wohnzimmer hängt. Ich habe schon mal in meinem Blog darüber geschrieben.

Als eine besondere Eigenschaft dieses Gemäldes habe ich immer gefunden, dass es abhängig vom Einfall des Sonnenlichts zu jeder Tageszeit anders aussieht. Und ich kam gestern auf die Idee, es einfach mal im Dunkeln mit einer Taschenlampe anzuleuchten. Davon habe ich das folgende Foto gemacht, das mich geradezu überwältigt hat:



Es ist als ob ich vor einer realen fantastischen Landschaft stehe und nicht vor einem Gemälde: die Magie von Olgas Werk.

Montag, 4. Mai 2026

2025/26: Drei deutsche Romane, die es in sich haben

Die deutsche Buchsaison 2025/26 (also die Monate von September bis April) hat drei schwergewichtige Romane erbracht (und noch eine ganze Reihe weiterer besonderer Romane), die mich noch eine Weile beschäftigen werden (beim Anklicken der Titel erscheint eine Rezension):


Inzwischen ist auch die niederländische Übersetzung erschienen:
Lázár, 334 Seiten, Atlas Contact, 24,99€, übersetzt von Kris Lauwery und Isabelle Schoepen. In der NRC vom 1.Mai stand eine ausführliche positive Rezension von Michel Krielaars, und der Roman stand auf Platz 7 der bestverkauften Bücher. 
In der deutschsprachigen Presse gibt es auch einige wenige negative bis niederträchtige Rezensionen. Mit all dem werde ich mich noch beschäftigen.

Jetzt zum zweiten großartigen Roman, dem Höhepunkt im Werk Norbert Gstreins 

Norbert Gstrein, Im ersten Licht, 416 Seiten, 27€

Und zum dritten: ein Wenderoman wie es ihn noch nicht gegeben hat:

Lukas Rietzschel, Sanditz, 496 Seiten, 27€

Vielleicht leben wir gerade in einem Jahrzehnt, in dem sich Vieles zusammenballt und auf einen Ausbruch vorbereitet. Nicht, dass diese Romane von etwas Kommendem handeln, ganz im Gegenteil: sie hangeln sich durch die deutsche und österreichisch-ungarische Geschichte der letzten 120 Jahre. Wie schon so oft, könnte man sagen, wenn sich da nicht besondere Aspekte und Perspektiven in einem generationsübergreifenden Schreiben zu ungewohnten Mosaiken aus Schuld, Täterschaft, Trauer, Erinnerung und Reflexion zusammenfügen würden, die in allen drei Fällen in einem sehr gegenwärtigen Geschichtsbewusstsein münden. Es handelt sich also durchaus auch um Gegenwartsromane, und die suche ich!