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Samstag, 12. Oktober 2024

Das aktuelle Spiegel-Titelbild: Listen machen Spaß

 


 Wer 1924 anfängt, fängt mit dem Zauberberg an, klar, aber dann, aber dann! Mir machen solche Listen immer Spaß, und die Spiegelredaktion sorgt schon dafür, dass der Leser ab und zu hä? sagt oder „Das doch bitte nicht!“ oder „Wo ist ….?“.

Mir fehlen auch ein paar, aber wenn der Zauberberg drin ist und Die Stunde zwischen Frau und Gitarre, dann ist alles gut.

P.S. Ich fürchte um die Liste zu sehen, muss man den Spiegel kaufen. Aber macht nichts: die zwei wichtigsten Titel wisst ihr ja schon.

Mal probieren: https://www.spiegel.de/kultur/literatur/spiegel-literaturkanon-die-besten-100-buecher-aus-100-jahren-a-e1e74cd7-9cd8-4743-9334-1622cab3ddb4?sara_ref=re-so-app-sh

Mittwoch, 9. Oktober 2024

Wilhelm Busch und Marie Anderson (6): Busch und die Frauen

In meinem Blog-Beitrag vom 23. September wird deutlich, wie Marie Anderson kurz nach ihren ersten Briefen an Wilhelm Busch und in Reaktion auf sein Porträtfoto ihre Beziehung zu ihm sah. 

Wir wissen das, weil sie einer engen Freundin in einem Brief darüber berichtet hatte: sie war verliebt, begehrte ihn und wollte was von ihm. Natürlich war sie auf eine persönliche Begegnung aus und ergriff die Gelegenheit, als er mit der Bahn zu seinem Verleger nach Heidelberg fahren wollte. Auch er war dazu bereit; ein kurzer Umweg über den Mainzer Bahnhof bereitete ihm auch keine große Mühe.
 
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Sonntag, 6. Oktober 2024

Wilhelm Busch und Marie Anderson (5): Maries Bericht vom Treffen mit Busch

Kommen wir nun zur Begegnung vom 6. Oktober 1875. Den nachfolgenden Bericht hat Marie Anderson nach dem Tode von Wilhelm Busch verfasst, also mehr als dreißig Jahre nach ihrer Begegnung mit ihm. Sie muss ihn in Zusammenhang mit der Herausgabe seiner Briefe an sie geschrieben haben (Wilhelm Busch an Maria Anderson. 70 Briefe, Rostock 1908), aber er ist darin nicht in dieser ausführlichen Form aufgenommen. Ich habe den Bericht aus der Biografie von Herbert Günther: „Der Versteckspieler. Die Lebensgeschichte des Wilhelm Busch“, Fellbach 1991, S. 127-129 (ohne Quellenangabe):

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Samstag, 5. Oktober 2024

Wilhelm Busch und Marie Anderson (4): Maries Foto

Marie zögerte, Busch ein Porträt-Foto von sich zu schicken: ihr war bewusst, dass sie keine Schönheit war. Stattdessen schickte sie ihm ein Foto ihres kleinen Sohnes mit seinem Hund und ein Bild ihrer attraktiven Freundin Eugénie.

Aber letztlich kam sie nicht darum herum und schickte ihm ihr Porträt mit einem selbstkritischen Kommentar.



Busch antwortete am 12.3.1875 und eröffnete seinen Brief nicht gerade feinfühlig:

„Meinen Dank für Ihre Photographie, obschon ich sagen muss: Sie haben recht! In der linken Backe befindet sich etwas wie eine Pflaume oder ein Kluntje!“

Dabei belässt er es und widmet den Rest des Briefes poetischen Themen. Und in diesem Sinne wird der Briefwechsel mit durchaus wachsender Herzlichkeit, intellektueller Nähe und dem Austausch von Artikeln und Büchern fortgesetzt.

Sie schickt ihm Tee und schreibt, dass ihre Liebe zu ihm rein platonisch sei. Das hört er gerne und schreibt zurück: „Da Sie mich platonisch lieben, so will ich auch kein Brummbär sein. Liebe per distance gefällt dem Herrn wohl! Sie kommt mir vor wie zwei geflügelte Engelsköpfe auf Goldgrund“ (Brief vom 26.4.1875).


Bildkonzeption Wilhelm Busch/Ausführung ChatGPT



Mittwoch, 2. Oktober 2024

Tethered Caps or Tethered Heads?

Foto: P. Groenewold


Die Krähe

Ich bin auf einer kleinen Reise. Der Zug hat Verspätung, und ich möchte einen Schluck Wasser trinken. Dazu kaufe ich mir im Bahnhof für drei Euro eine kleine Wasserflasche, setze mich auf die letzte freie Bank am Bahnsteig, und öffne sie.

Der Schraubverschluss hängt am Flaschenhals fest und behindert mich beim Trinken. Mein erster Versuch endet mit einem durchnässten Pullover. Mit einiger Mühe gelingt es mir, mit gespitzten Lippen wie ein Vogel doch ein paar Schlückchen aus der Flasche zu schlürfen.

Die rechte Hälfte der Sitzbank ist von einer achtlos hinterlassenen halbvollen Fast-Food-Tüte verschmutzt. Eine Krähe zupft daran herum. Währenddessen hält sie ein achtsames Auge auf mich.

 „Das machst du schon ganz gut“, krächzt sie, „weiter so!“

Ich nehme noch ein Schlückchen und will die Flasche wieder zuschrauben. Der Schraubverschluss greift wegen der Anbindung nicht richtig in das Gewinde und sitzt schief. Die Flasche leckt. Nun sind auch die Sachen in meiner Reisetasche nass. 

Die Krähe hat inzwischen die Fast-Food-Verpackung mit gezielten Schnabelhieben zerfetzt. Der Sitzplatz neben mir ist mit Essensbrocken übersät. Sie hüpft hin und her und meldet sich mit vollem Schnabel wieder zu Wort: „Du musst diese blödsinnigen Verpackungen einfach in Stücke hacken.“

Ich nehme die Flasche hastig wieder aus meiner Reisetasche und reiße den Verschluss ab. Jetzt hat er schräge und scharfe Kanten und lässt sich noch immer nicht gerade auf die Flasche drehen. Ich schmeiße ihn weg. Die Flasche ist beinahe leer. Ich nehme den letzten Schluck und werfe sie wütend auf die Gleise. Mir ist kalt.

„Na bitte“, sagt die Krähe, „du machst das schon fast so gut wie ich.“

Mein Zug läuft ein. Ich wünsche der Krähe krächzend einen guten Tag, hüpfe zwischen den Aus- und Einsteigenden den Bahnsteig entlang und kaufe mir schnell noch eine neue Flasche.

 

#EU-Richtlinie „Tethered Caps“

Hier habe ich noch ein Bild von ChatGPT zu der Situation. Ich habe mehrfach versucht, dem Programm klar zu machen, dass ich keinen Bart, kürzere Haare und einen etwas, aber wirklich nur etwas dickeren Bauch habe, vergebens.




Dafür füge ich noch ein Foto von der realexistenten Krähe bei, die neben mir saß.


P.S.: Ich möchte noch hinzufügen, dass diese Situation und dieser Blogpost nur deshalb entstanden sind, weil mein ICE aus Hamburg Verspätung hatte und mein Anschluss-IC von Bremen nach Leer nicht gewartet hat. So saß ich eine Stunde auf dem Bahnsteig in Bremen und versuchte, meine Dehydrierung zu bekämpfen. In meinem (zurecht) geliebten Groningen kam ich mit zwei Stunden Verspätung an. Das sind qualvolle Reisen!

P.S.2: Die Schweinerei mit dem Essen habe ich aber nicht gemacht. So etwas tue (und esse) ich nicht.