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Donnerstag, 7. Juli 2022

Meine kleine Ukraine-Bibliothek (6): Andreas Kappeler, Russen und Ukrainer


 

Andreas Kappeler hat in den letzten Jahren das Konzept der Verflechtungsgeschichte (histoire croisée) auf Russland und die Ukraine angewandt und mehrere Bücher dazu veröffentlicht. Sein aktuell erfolgreichstes Werk ist „Ungleiche Brüder. Russen und Ukrainer. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, München 2017, 4. Auflage 2022, 16,95 €.

 

„Dieses Buch folgt dem methodischen Ansatz der ‚verschränkten‘ oder ‚verflochtenen‘ Geschichte, der sich mit längerfristigen Wechselbeziehungen, Transfers, Begegnungen und Konflikten von Staaten, Gesellschaften, Nationen und Kulturen beschäftigt. Besonderes Augenmerk richte ich auf die Verflechtungen von Ideen, Perzeptionen, historischen Erzählungen, Erinnerungskulturen und Geschichtspolitiken. Umgekehrt frage ich auch nach Prozessen der Entflechtung, Distanzierung und Auseinanderentwicklung“ (Kappeler, S. 13).


Damit ist dies das Buch der Stunde für eine differenzierte Analyse dessen, was sich zur Zeit im russisch-ukrainischen Konflikt abspielt. Es bietet einen dezidierten Blick auf die Entstehungsgeschichte der wechselnden und teils dramatischen Verflechtungen der Ukraine mit dominanten Mächten (Russland, Sowjetunion, Österreich-Ungarn, Polen, Deutsches Reich) und gibt klare Handreichungen zur Beurteilung der gegenwärtigen Lage. 

 

Das zunehmend autokratische System Putins musste – so Kappeler - um jeden Preis vermeiden, dass sich die Ukraine als ein den europäischen Werten verpflichteter demokratischer Staat etablierte und stabilisierte und damit der russischen Opposition als Vorbild dienen konnte. „Dies war meines (Kappelers) Erachtens die ausschlaggebende Ursache für die bewaffnete Intervention Russlands in der Ukraine“ (S. 228). 

 

Von besonderer Perfidität ist dabei Putins in Russland und bis in den Westen hinein wirksame Propaganda, die neuen Herrscher in der Ukraine seien Neo-Nazis, Russenhasser und Antisemiten. Putin-Versteher, die dieser Sicht folgen, gibt es noch immer bis tief in die alt-sozialdemokratischen und altlinken Schichten Deutschlands (und auch der Niederlande) hinein.

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