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| Homerisches Gelächter |
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Sonntag, 1. Dezember 2013
Adventskalender der Adventskalender
Der Adventskalender ist ein ursprünglich deutsches Kulturphänomen. In den letzten
Jahrzehnten ist sein Vorkommen in Quantität und Qualität gewaltig gewachsen. In meiner
Kindheit handelte es sich um ein buntes Stück Karton mit Weihnachtsmotiven und
24 Türchen, hinter denen sich jeweils ein Bildchen verbarg. Ab dem 1. Dezember durfte
ich jeden Tag ein Türchen öffnen. Später lag ein winziges Stückchen Schokolade
hinter jeder Tür.
Wenn ich jetzt
durch Berliner Supermärkte und andere Läden laufe, bin ich immer wieder baff,
was es auf dem Gebiet inzwischen so alles gibt. Die Säkularisierung des
Adventskalenders hat zu den erstaunlichsten Geschmacksexzessen geführt, aber ab
und zu auch ganz hübsche Ideen hervorgebracht.
Donnerstag, 28. November 2013
Ein Platz für wilde Tiere
Noch vor der Sprengung des Stadtschlosses wurde 1950 auf
Geheiß Walter Ulbrichts das deutsche Nationaldenkmal vor dem Schloss
abgerissen. Es bestand aus einem Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. (des
Kaisers der deutschen Einheit von 1871), umgeben von vier Löwen, die seine
Siegestrophäen bewachten.
Der Sockel blieb erhalten, stand seitdem leer und wird 2015
das neue deutsche Freiheits- und Einheitsdenkmal aufnehmen.
Zwei der vier Bronzelöwen wurden – wie ich jetzt erfahren
habe - nicht eingeschmolzen, sondern im Ostberliner Tierpark in der Nähe des
Raubtierhauses aufgestellt. Ein sinniger Akt der ostdeutschen Kommunisten! Aber
Deutsche sind ja bekanntlich tierlieb.
Dort stehen sie noch heute, und dort hatte ich mich im
Sommer dieses Jahres, nichts Böses ahnend, zwischen die Pranken eines der
gewaltigen Löwen begeben, der gewiss schon lange seine Trophäen vermisst hatte
und nun mich an ihrer Stelle bekam. Ganz kurz nur; er ließ mich wieder gehen.
Er ist ein freundlicher Löwe, der schon viele meinesgleichen erlebt hat. Das
Foto davon habe ich dann – immer noch nichts ahnend -als Profilbild für meine
Facebook-Seite benutzt.
Als ich jetzt die Wahrheit erfuhr, war ich zunächst ein klein
wenig schockiert. Aber dann schien mir mein Nachkriegskörper doch irgendwie
eine akzeptable Trophäe für den domestizierten deutschen Nationallöwen zu sein.
Ein Höhepunkt des Sozialistischen Sakralsurrealismus
Aus der Bronze des Reiterstandbilds Kaiser Wilhelms I., das
vor dem Berliner Stadtschloss gestanden hatte und 1950 abgerissen worden war, wurden noch kurz vor dem Ende der DDR die zwei großen Reliefs gefertigt, die links und rechts
an der Frontseite des Neuen Marstalls angebracht sind. Sie zeigen anlässlich
des siebzigsten Jahrestages (1988) der Ausrufung der Republik durch Karl
Liebknecht zwei sozialistische Apotheosen.
Der Bildhauer Gerhard Rommel erschuf die Szenen im Stil des
Sozialistischen Sakralsurrealismus. Auf dem linken Relief erscheint in der
linksoberen Ecke ein überdimensionales Haupt von Karl Marx, das wie der liebe
Gott mit Rauschebart auf seine Geschöpfe, Proletarier mit Gewehren,
herabblickt. Auf dem rechten Relief ist es Karl Liebknecht, der im oberen Reliefbogen entschwebt wie Jesus bei der Himmelfahrt und dabei die sozialistische Republik
ausruft.
Anders als im Fall des Palastes der Republik – Auge um Auge,
Zahn um Zahn! - ließen die neuen Machthaber in diesem Fall historische Pietät
walten und haben die Reliefs an ihrem Ort belassen.
Mittwoch, 27. November 2013
Krönungskutschensaal
Ach, es gibt in Berlin einen „Krönungskutschensaal“? Wo
denn? Im Neuen Marstall? Und wo ist der?
Merkwürdig: Beim Wort „Krönungskutschensaal“ denkt man
sich im ersten Augenblick etwas Erhabenes, Festliches, und überträgt es auf das
Bild, das man sich von dem Raum macht. Dabei kann es doch nicht mehr als eine
Art Garage sein. Dachte ich.
Der 1901 im neobarocken Stil erbaute, überaus stattliche Berliner
Marstall war jahrzehntelang hinter dem Palast der Republik verborgen (und
früher hinterm Stadtschloss); er war dieses Jahr einige Monate lang frei zu
sehen und ist jetzt wieder hinter den Bauzäunen für den Aufbau des
Humboldt-Forums (= Stadtschloss) verschwunden. Aber von der Humboldt-Box aus
kann man ihn noch sehen. Voilá, die kaiserliche Garage:
Hier waren die rund 300 Pferde und die Kutschen des
kaiserlichen Hofes untergebracht. Nach dem Fall der Monarchie wurde das Gebäude
ziemlich hilflos mal diesem, mal jenem Zweck zugeführt. Hitler wollte dort nach
dem Endsieg sein neues Reichskolonialministerium unterbringen. Seit 2005
beherbergt es einen Teil der Musikhochschule ‚Hans Eisler’. Aus den ehemaligen
Pferdeboxen wurden Übungsräume. Die Aufbewahrungshallen für die
(verschwundenen?) Krönungs- und Galakutschen hat man zu drei Konzertsälen
umgebaut, die Berlins üppiges Kulturraumangebot weiter bereichern.
Und so habe ich den Krönungskutschensaal kennengelernt.
Nicht schlecht für eine Garage:
“Die Berliner Senatsverwaltung für
Stadtentwicklung geht davon aus, dass das Bauwerk nach Abschluss des
zweiten Bauabschnittes und nach dem bereits erfolgten Rückbau des Palastes der Republik
mit der Wiedererstehung des historischen Schloßplatzes nach dem Wiederaufbau
des Stadtschlosses wieder eine angemessene Bedeutung erhalten wird.”
Tja, was ist angemessen? Die Hochschule reicht nicht?
Irgendein Ministerium vielleicht?
Montag, 25. November 2013
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