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Mittwoch, 20. Juni 2018
Freitag, 4. Mai 2018
Zum 4. Mai: Audrey Hepburn: eine Niederländerin unter deutscher Besatzung
Ein Beitrag, den ich vor fünf Jahren gepostet habe:
Die Filme mit Audrey Hepburn habe ich immer gerne gesehen. „Roman Holiday“ ist mein Lieblingsfilm, sentimental wie ich bin, vom Anfang bis zum Ende. Vor einigen Jahren stieß ich in einem Buchprospekt darauf, dass der Sohn von Audrey seine Erinnerungen an seine Mutter veröffentlicht hat. Die deutsche Ausgabe ist 2007 im Leipziger Henschel-Verlag erschienen: Sean Hepburn Ferrer, Audrey Hepburn. Melancholie und Grazie.
Ich habe Audrey immer ahistorisch rezipiert, als sentimental-ästhetisches Phänomen aus Hollywood. So habe ich es als überaus verblüffend erfahren, dass sie auf einmal in eine Realität hineinfiel, die direkt mit dem Kernthema meiner Berufstätigkeit zu tun hat.
Aber wie groß war meine Überraschung, als im begleitenden Text die Rede davon war, dass Audrey ihre Kindheit in den Niederlanden verlebt hat. Davon hatte ich keine Ahnung. Und mehr noch: sie war Niederländerin, Tochter der Baronin Ella van Heemstra und eines englischen Bankiers. Während der deutschen Besatzungszeit nahm sie den Namen Edda van Heemstra an. Da ihre Mutter einen „Bürgerlichen“ geheiratet hatte, gehörte Audrey jedoch nicht zum niederländischen Adel.
Im Audrey-Hepburn-Artikel der niederländischen Wikipedia wird ausführlich die Zeit der deutschen Besatzung zwischen 1940 und 1945 behandelt; im deutschen Artikel ist das erst seit kurzer Zeit der Fall. Audrey wohnte ausgerechnet im stark umkämpften Arnhem und wurde auch in ihrer direkten familiären Umgebung mit den Brutalitäten der deutschen Herrschaft konfrontiert. Mit 15-16 Jahren, um 1944, tanzte sie als ausgebildete Balletttänzerin vor Publikum, um die Eintrittsgelder der niederländischen Widerstandsbewegung zu spenden.Ich habe Audrey immer ahistorisch rezipiert, als sentimental-ästhetisches Phänomen aus Hollywood. So habe ich es als überaus verblüffend erfahren, dass sie auf einmal in eine Realität hineinfiel, die direkt mit dem Kernthema meiner Berufstätigkeit zu tun hat.
Mittwoch, 25. April 2018
Zum Welt-Pinguin-Tag
Vor drei Jahren habe ich diesen Beitrag zum Weltpinguintag gepostet. Ich finde ihn immer noch aktuell:
Dieses Gedicht von Erik van Os in der grafischen Gestaltung von Hans Waanders hängt seit Jahrzehnten als Plakat in meinem Haus. Es ist in allerlei Formaten und Ausführungen erhältlich, unter anderem als Poesiepostkarte bei Plint. Ich habe mir erlaubt, eine deutsche Übersetzung anzufertigen.
Der Pinguin und der Papagei
Hallo Papagei, sagte der Pinguin.
Hallo Papagei, sagte der Papagei.
Nein, sagte der Pinguin, du musst Hallo Pinguin sagen.
Nein, sagte der Papagei, du musst Hallo Pinguin sagen.
Nein, sagte der Pinguin, ich bin ein Pinguin.
Nein, sagte der Papagei, ich bin ein Pinguin.
Du bist ein Papagei, sagte der Pinguin.
Du bist ein Papagei, sagte der Papagei.
Dummer Papagei, sagte der Pinguin.
Dummer Pinguin, sagte der Papagei.
Dummer Pinguin, sagte der Papagei.
Samstag, 3. März 2018
Science fiction als Gegenwartsbewältigung – Deutsche Romane des 21. Jahrhunderts (2)
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| "Nur Utopien sind noch realistisch" - Kölner Theaterpreis 2017 |
Vor fünf Jahren habe ich in diesem Blog auf einen Trend in der deutschen Gegenwartsliteratur hingewiesen. Dieser Trend hat sich inzwischen zu einer regelrechten Welle von dystopischen Romanen entwickelt.
Da mir - immer noch - die Zeit für ausführlichere
Besprechungen und Einschätzungen fehlt, zeige ich hier nur meine Titelsammlung,
aus der der enorme Zuwachs pro Jahr deutlich wird. Sie bietet viel Stoff für
interessante Masterarbeiten:
Frank Schätzung, Der Schwarm (2005)
Thomas Lehr, 42 (2005)
Thomas Lehr, 42 (2005)
Thomas Glavinic, Die Arbeit der Nacht
(2006)
Dietmar Dath, Die Abschaffung der Arten
(2008)
Christian Kracht, Ich werde hier sein im
Sonnenschein und im Schatten (2008)
Juli Zeh, Corpus delicti. Ein Prozess
(2009)
Günter Hack, ZRH (2009)
Thor Kunkel, Schaumschwester (2010)
Dorothee Elminger, Einladung an die
Waghalsigen (2010)
Jochen Schimmang, Neue Mitte (2011)
Simon Urban, Plan D (2011)
Dietmar Dath, Pulsarnacht (2012)
Reinhard Jirgl, Nichts von euch auf Erden
(2013)
Georg Klein, Die Zukunft des Mars (2013)
Clemens J. Setz, Indigo (2013)
Hannes Stein, Der Komet (2013)
Ernst-Wilhelm Händler, Der Überlebende
(2013)
Dietmar Dath, Feldeváye - Roman der letzten
Künste (2014)
Jürgen Neffe, Mehr als wir sind (2014)
Roman Ehrlich, Das kalte Jahr (2014)
Matthias Nawrat, Unternehmer (2014)
Alfred Stabel, Der Goldene Apfel der
Deutschen. Die Türken erobern Wien (2014)
Tom Hillenbrand, Drohnenland (2014)
Leif Randt, Planet Magnon (2015)
Dietmar Dath, Venus siegt (2015)
Hans-Jörg Schertenleib, Jawaka (2015)
Martin Burckhardt, SCORE. Wir schaffen
das Paradies auf Erden (2015)
Heinz Helle, Eigentlich müssten wir
tanzen (2015)
Valerie Fritsch, Winters Garten (2015)
Jochen Beyse, Lawrence und wir (2015)
Juan S. Guse, Lärm und Wälder (2015)
Reinhard Jirgl, Oben das Feuer, unten der
Berg (2016)
Karen Duve, Macht (2016)
Thomas von Steinaecker, Die Verteidigung
des Paradieses (2016)
Thea Dorn, Die Unglückseligen (2016)
Emma Braslavsky, Leben ist keine Art, mit
einem Tier umzugehen (2016)
Eugen Ruge, Follower. Vierzehn Sätze
über einen fiktiven Enkel (2016)
Arne Ahlert, Moonatics (2016)
Stephan R. Meier, NOW. Du bestimmst,
wer überlebt (2017)
Kat Kaufmann, Die Nacht ist laut, der
Tag ist finster (2017)
Jochen Beyse, Fremd wie das Licht in
den Träumen der Menschen (2017)
Matthias Oden, Junktown (2017)
Franz Friedrich, 25052015. Der letzte
Montag im Mai. Ein Zeitreiseführer (App für ios und android, 2017)
Dietmar Dath, Der Schnitt durch die
Sonne (2017)
Doron Rabinivici, Die Außerirdischen
(2017)
Hannes Stein, Nach uns die Pinguine.
Ein Weltuntergangskrimi (2017)
Dirk van Versendaal, Nyx (2017)
Marc-Uwe Kling, Qualityland (2017)
Martina Clavadetscher, Knochenlieder
(2017)
Theresa Hannig, Die Optimierer (2017)
Helmut Krausser, Geschehnisse während
der Weltmeisterschaft (2018)
Tom Hillenbrand, Hologrammatica (2018)
Josefine Rieks, Serverland (2018)
Georg Klein, Miakro (2018)
Alexander Schimmelbusch, Hochdeutschland (2018)
Frank Schätzing, Die Tyrannei des Schmetterlings (2018)
Über die Mitteilung von Titeln, die mir entgangen sind, würde ich mich sehr freuen.
Alexander Schimmelbusch, Hochdeutschland (2018)
Frank Schätzing, Die Tyrannei des Schmetterlings (2018)
Über die Mitteilung von Titeln, die mir entgangen sind, würde ich mich sehr freuen.
Mittwoch, 21. Februar 2018
„Hologrammatica“, der rasante Nachfolger von Tom Hillenbrands „Drohnenland“
Worum geht’s?
Hillenbrand hat dem Roman zwei Zitate als Motto vorangestellt:
Hillenbrand hat dem Roman zwei Zitate als Motto vorangestellt:
Motto 1:
Gern träume ich
Von einer kybernetischen Lichtung
In der Säugetiere und Computer
Zusammenleben in einträchtig
Programmierter Harmonie
Richard Brautigan
„Behütet von Maschinen der liebevollen Gnade“
Motto 2:
Do you think we’re robot clean
Does this face look almost mean
Is it time to be an android, not a man?
The Misfits, „We are 138“
Der Zweck eines Mottos ist die Vorankündigung
der Thematik. Die fünf Zeilen aus Richard Brautigans Gedicht „Behütet von
Maschinen der liebevollen Gnade“ (der englische Originaltext des ganzen
Gedichts ist hier zu lesen) sind darin deutlich: Offenbar geht es um die Utopie
eines friedlichen Zusammenlebens von Mensch und Natur unter der Obhut einer
wohlmeinenden Künstlichen Intelligenz.
Ein hochaktuelles Thema also, das dieser Tage
vielfach diskutiert wird, zumeist allerdings unter dem Aspekt, dass eine Künstliche
Intelligenz (KI) sich den Teufel um die Menschen scheren und ganz eigene Zwecke
verfolgen könnte. Hochrangige Wissenschaftler warnen nachdrücklich davor! Der
Zeitpunkt, für den man in unserer realen Welt eine KI erwartet, wird um 2040/2050
angesetzt. Genauso ist es in Hillenbrands Roman, der im Jahre 2088 spielt,
vierzig Jahre nach der ersten verwirklichten KI. Und ja: da ist etwas
schiefgegangen, so scheint es! Die KI wird jedenfalls 2048 abgeschaltet. Was
war da los?
Warum benutzt Hillenbrand das Zitat des Hippie-Poeten
Richard Brautigan aus dem Jahr 1967? Die technikfreundliche Haltung darin
entsprach keineswegs der damaligen Hippiephilosophie, und in den meisten Utopien
der letzten 50 Jahre ging es - was ja auch spannender ist - um gefährliche,
durchdrehende und zerstörerische Computer und Robots („2001 - A Space Odyssey“
ist von 1968). Interpreten haben sich damit beholfen, Brautigan habe es
ironisch gemeint, aber das bleibt doch zweifelhaft.
Tom Hillenbrand liefert uns jedenfalls einen
sehr, sehr spannenden Roman dazu!
Das zweite Motto stammt aus dem Song „We are
138“ von den Misfits (der komplette englische Text ist hier zu lesen). Auch
dazu gibt’s im Internet einen - teilweise obskuren - Interpretationsstreit, was
wohl damit gemeint sein könnte. Die gängige Auffassung ist, dass „138“ dem
Titel von George Lucas’ erstem Science-Fiction-Film „THX 1138“ (1971) entlehnt
ist. Die dem Spielfilm vorausgehende Kurzfilmfassung stammt aus dem Hippie-Jahr
1967. Ein wichtiger SF-Film, der die damalige dystopische Stimmung über den Verlust
an Freiheit in der hochtechnisierten Welt wiedergibt.
Dieser Thematik des Menschen, der zum
Androiden wird und seine Freiheit verliert, müssten wir im Roman dann auch
begegnen. Und ja: Hillenbrand konfrontiert uns mit den in der zweiten Hälfte
des 21. Jahrhunderts wachsenden Möglichkeiten der Klontechnologie, das
menschliche Bewusstsein in andere Körper zu übertragen, und mit den
unabsehbaren Folgen davon. Er lässt seine Figuren auf hohem Niveau über das
sogenannte Descartes-Rätsel nachdenken und diskutieren:
„Descartes postulierte, dass Geist und Körper
voneinander getrennt sind. Er nannte sie res cogitans und res extensa, die
denkende Sache und die ausgedehnte Sache. Er glaubte, beide würden über einen
geheimen Ort und auf unbekannte Weise miteinander interagieren.
Neuroprogrammierer suchen nach diesem Ort. Wenn sie ihn finden, wäre es eine
große Sache. […] Dann könnte man ewig
leben, sich alle paar Jahrzehnte in ein frisch geklontes Gefäß uploaden lassen”
(Hologrammatica, 36).
Aber diese Möglichkeiten
bergen neben existentiellen Risiken auch neue Freiheiten und Erkenntnismöglichkeiten für die “denkende
Sache”, und darüber wird auf der Thriller-Ebene des Romans heftig und mit
dramatischen Effekten spekuliert.
Na ja, und dann gibt es
im neuen Roman technische Phänomene, die uns ähnlich schon aus “Drohnenland”
bekannt sind: das weltumspannende holographische Netz zum Beispiel, das jedem
Menschen die Möglichkeit gibt, sein persönliches Aussehen und seine Umgebung
camouflierend aufzuputzen. Weiterhin die Klimaveränderungen, die zu globalen
Wanderungsbewegungen geführt haben, die weit über das hinausgehen, was wir in
“Drohnenland” erlebt haben.
Die Hauptfigur ist
Galahad Singh, ein Privatdetektiv nach dem Muster der großen amerikanischen Krimis. Er trinkt zuviel, liebt
Bourbon-Whisky – “Old Fashioned” ist sein Lieblingscocktail (wirklich herrlich,
ich muss so etwas immer sofort probieren!), “Eagle Rare” seine Lieblingsmarke (im
Moment € 42,71 bei Gall & Gall, noch nicht von mir getestet). Galahad ist schwul
(mal was Neues für einen Dedektiv), auch daraus ergeben sich im Reigen der Klone ungeahnte Transgender-Möglichkeiten.
Eines Tages kommt eine
Auftraggeberin mit scheinbar unbegrenzten finanziellen Mitteln in Galahads
Büro: er soll eine verschwundene Softwarespezialistin aufspüren…
Jetzt geht’s los! Aber: Lest
das Buch.
Und? Keine Kritik? Ja,
doch so dies und das:
“Drohnenland” wurde auch
gerne von Leuten gelesen, die sonst kaum Science-Fiction-Romane angerührt
haben. Woran liegt das? Die beschriebene Utopie liegt näher in der Zukunft, nur
eine Generation von uns entfernt. Anders als in der Presse immer behauptet
wird, ist nicht Robert Menasses Roman “Die Hauptstadt” der erste EU-Roman,
nein, es war Tom Hillenbrands “Drohnenland”: Hier werden die zukünftige Form und Geschichte der EU und die bald anstehenden Klimaveränderungen extrapoliert: sie
sind erkennbar und ein spannender und sehr konkreter Hintergrund vor den
prognostizierten technischen Zuständen.
In “Hologrammatica”
befinden wir uns noch ein paar Jahrzehnte weiter in der Zukunft. Der
Erzählrahmen ist globaler, abstrakter, die Regionen und zukunftshistorischen
Entwicklungen weniger deutlich und erklärlich, die technologischen Dinge mit
ihren ethisch-philosophischen Konnotationen komplexer und verwirrender. Das ist
mehr etwas für Hard-Core-SF-Leser. Aber Tom Hillenbrand hat sich damit als
deutscher Top-Autor für Science Fiction etabliert.
Damit endet meine kleine
Einführung in “Hologrammatica”. Speziell hierfür habe ich mein Profilbild auf
Facebook verändert. Auf dem mit FaceApp veränderten Porträt sehe ich fast so
gut aus wie Tom Hillenbrand! Mein schöner Klon! Wie soll ich sonst neben Tom bestehen? Herzlichen
Glückwunsch zum neuen Roman!
Und noch eine Kleinigkeit: Galahad ist von London nach Nadschaf im Irak unterwegs: “Ich kann fühlen wie [das Flugzeug] sich nach rechts neigt, als der Pilot auf Südostkurs geht” (Hologrammatica, 185). Müsste es sich nicht nach links neigen?
Tom Hillenbrand, Hologrammatica, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2018, 559 Seiten, € 12,00
Dienstag, 2. Januar 2018
Der Groninger Markt
Einer der Gründe für den Rückgang der Beiträge in Café Deutschland:
http://www.uitgeverijpassage.nl/content/view/471/56/
Montag, 4. Dezember 2017
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