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| Koos Huizenga, 1942-2015 |
An der Vissersbrug am Rande der Altstadt von Groningen liegt
De Sleutel, eines der typischen
niederländischen braunen Cafés. De Sleutel war in den neunziger Jahren die
schönste Kneipe der Welt. Sie hatte nur an drei Abenden geöffnet: von
Donnerstag bis Samstag. Vor acht Jahren hat Koos Huizenga, der Wirt, sie
verkauft. Von außen und von innen sieht sie noch genauso schön aus, wie wir sie
in den neunziger Jahren kennengelernt haben, aber das was ihr Wesen ausmachte,
ist futsch, verschwunden, vergangen, vorbei.
Koos war ein Wirt, der nicht nur wusste, wie eine schöne
Kneipe aussehen muss, sondern auch, wie man ein schönes Publikum bekommt und
wie dieses schöne Publikum sich wohl und immer wohler fühlt. Über der Tür hing
ein Schild, dass dies eine Sozietät
sei, eine Art Club, der eine Mitgliedschaft erfordert; das hatte er zur
Abschreckung hingehängt. Wer kam zu ihm? Leute aus dem Stadtviertel, arme
Künstler, reiche Händler, Stadtpolitiker aller Parteien, größere und kleinere
Unternehmer, Unileute (nicht zu viele), Studenten (wenige; überhaupt war es
eher eine Kneipe für Leute von 40 aufwärts) und angenehme Säufertypen, die es
aber nicht übertreiben durften (also noch einmal Leute aus allen bisher genannten
Kategorien).
War das ein schönes Publikum? Nein, es reicht nicht, ein
paar Leute zusammenzuwürfeln, es kommt darauf an, sie zu verändern. Koos
vollbrachte Abend für Abend das Wunder, allen das Gefühl zu geben, gleichzeitig
privat am Tisch unter sich und öffentlich im Ganzen auf eine höhere Art zuhause
zu sein. Im Laufe so eines Abends mischten sich die Tische stets neu und
schaukelten sich in Gesprächs-, Musik- und Alkoholwogen empor, immer auch unter
der Regie des Wirtes, der alles sah, vieles mit seinem Witz förderte und
möglichen Unfrieden im Keim fortzauberte. Und auch die Zwischenräume waren
wichtig, die Theke und die Möglichkeit, in Gruppen zusammen zu stehen (die
Sitzplätze reichten sowieso nicht). Im Laufe der Jahre kannte jeder jeden und
grüßt sich noch heute in den Straßen von Groningen.
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| Café De Sleutel, Groningen, Noorderhaven 72 |
An besonderen Tagen wie dem Koninginnedag traten kleine Kapellen auf, und es wurde gesungen. Und
in seltenen Momenten sang Koos auch, er war seit Jahrzehnten eine lokale
Legende als Unterhaltungstalent und Chansonnier. Eines seiner schönsten Lieder,
„De kastelein van Sier“, handelt von
einer Kneipe auf Ameland, die untergegangen ist, im wörtlichen Sinne, aber in
der sich noch immer eine fröhliche Gesellschaft unter der Obhut des Wirtes
trifft.
Nach dem Verkauf des Sleutel
ist Koos alt geworden; er trank zu viel (aber das hat er immer getan), bastelte
an seinem neuen Häuschen, das an derselben Gracht steht, und er wurde krank. Er
hat noch lange durchgehalten.
Gestern ist Koos im Alter von 72 Jahren gestorben. Sein erreichtes Alter hatte all die Jahre als Hausnummer groß über der Haupteingangstür des Sleutel gestanden. Sie ist jetzt für immer geschlossen.
Wir haben heute auf ihn angestoßen.