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Mittwoch, 21. März 2012
Poetologie des Blogs (8): Ein Geisterschiff?
Ein Blogger schreibt ein
Logbuch. Für welches Schiff eigentlich? Und wohin geht die Fahrt?
Apropos: Wunsch, Indianer zu werden
Als ich den
Anfang meines letzten Beitrags wieder las, kam mir die Assoziation zu einem der
kurzen und rätselhaften (?) Texte von Franz Kafka:
Wunsch, Indianer zu werden
Wenn
man doch ein Indianer wäre, gleich bereit, und auf dem rennenden Pferde, schief
in der Luft, immer wieder kurz erzitterte über dem zitternden Boden, bis man
die Sporen ließ, denn es gab keine Sporen, bis man die Zügel wegwarf, denn es
gab keine Zügel, und kaum das Land vor sich als glattgemähte Heide sah, schon
ohne Pferdehals und Pferdekopf
Aus:
Franz Kafka, Betrachtung (1912)Dienstag, 20. März 2012
Perry Rhodan und ich
Als Kind wollte
ich lange Zeit Indianer werden, aber dann hatte ich Anfang der sechziger Jahre eine erste
intellektuelle Phase, die mich auf das Gebiet der Astronomie führte. Eine Reihe
wunderbar bebilderter Bücher mit Monden und Sternennebeln faszinierte mich damals
ganz außerordentlich. Sie liegen jetzt in einem Karton auf dem Dachboden,
daneben das Fernrohr, 30x60, das mir den ersten Blick auf die Krater des
Erdenmondes und auf das Hin und Her der vier sichtbaren Jupitermonde eröffnet
hat. Ich kann noch immer alle Planeten und Monde des damals bekannten
Sonnensystems aufsagen.
Diese Begeisterung führte zu dem beinahe fatalen Fehlschluss, dass ich einige Jahre später den mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig des Gymnasiums einschlagen zu müssen glaubte: Ich war inzwischen auch Abonnent einer Zeitschrift für Raumfahrt- und Raketentechnik geworden und sah meine berufliche Zukunft irgendwo zwischen Fernrohr und Mond. Das hätte mich beinahe ein Schuljahr gekostet, aber ich war immerhin so geistesgegenwärtig, mich auf halber Strecke wegen der Fünfen in Mathe und Physik in den neusprachlichen Zweig umsetzen zu lassen. Das ersparte mir die Erfahrung des Sitzenbleibens.
Auf Facebook kann man Perry Rhodan als Freund anklicken. Das habe ich heute getan.
Diese Begeisterung führte zu dem beinahe fatalen Fehlschluss, dass ich einige Jahre später den mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig des Gymnasiums einschlagen zu müssen glaubte: Ich war inzwischen auch Abonnent einer Zeitschrift für Raumfahrt- und Raketentechnik geworden und sah meine berufliche Zukunft irgendwo zwischen Fernrohr und Mond. Das hätte mich beinahe ein Schuljahr gekostet, aber ich war immerhin so geistesgegenwärtig, mich auf halber Strecke wegen der Fünfen in Mathe und Physik in den neusprachlichen Zweig umsetzen zu lassen. Das ersparte mir die Erfahrung des Sitzenbleibens.
Was mir von den
Naturwissenschaften geblieben ist, ist die Verbindung von Science und Fiction
beziehungsweise meine Vorliebe für Science Fiction und utopische Romane, nicht
viel mehr also als ein paar Hirngespinste. „Das gibt’s ja gar nicht“, pflegte
mein Vater zu sagen. Der war realistisch und backte kleine Brötchen = er war
Bäcker.
Da war zum
Beispiel Perry Rhodan – Der Erbe des
Universums, den gibt’s auch nicht. Aber so heißt eine deutsche Science-Fiction-Serie,
die seit 1961 ununterbrochen wöchentlich erscheint und mit fast 1,5 Milliarden
Gesamtauflage die größte Science-Fiction-Serie der Welt ist. Mehr als 2600
Hefte in mehreren Auflagen und allerlei Merchandising-Brimborium drum herum.
Für das originale erste Heft werden inzwischen exotische Liebhaberpreise
bezahlt. Die Perry Rhodan Community hat natürlich heute ihre Website.
Jahrelang habe
ich Perry Rhodan gelesen und zwar mehr oder weniger heimlich, denn es passte nicht zum intellektuellen Anspruch des Gymnasiums. Man las Camus und Sartre, aber das tat ich sowieso.
Die Perry-Rhodan-Autoren
beuteten den Phantasieschatz der amerikanischen Science Fiction der vierziger
und fünfziger Jahre aus, um jede Woche wieder ein Heft mit neuen Abenteuern liefern
zu können. Die Titelbilder haben mir auch sehr gefallen, aber eher wegen der
hübschen Weltraumimpressionen und Mondlandschaften mit Raumschiffen in
unterschiedlichsten Ausführungen, und weniger wegen der amerikanisch-brutalen
Astronautengesichter und der echsen- und mausartigen Aliens. Obwohl:
First-Contact-Situationen habe ich noch heute gern.
Das legendäre
erste Heft spielte auf dem Mond. Auch etwas mit First Contact. Der Anblick des
Titelbildes ruft bei mir noch immer für einen Moment diesen ersten Thrill
wieder auf, den ich zirka 200 Wochen lang mit dem neuen Heft in der Hand
empfunden habe. Jahrelang habe ich es aufbewahrt und dann doch irgendwann weggeworfen.
Es wäre jetzt mehr wert als manche ehrwürdige Erstausgabe der hohen deutschen
Literatur.Auf Facebook kann man Perry Rhodan als Freund anklicken. Das habe ich heute getan.
Montag, 19. März 2012
Gut gegen Nordwind im Theater
Bei meinem Rothenbergebericht hätte ich ein Beispiel für die
Bühnenversion von Glattauers Roman Gut gegen Nordwind bringen wollen. Das reiche ich
nun nach.
Ich habe selber keine Aufführung gesehen. Auf Youtube gibt es ein
paar Fragmente, die vor allem zeigen, dass es schwer ist, diesen Email-Roman
für das Theater umzusetzen, und - wer weiß – vielleicht war die niederländische
Version die bisher beste. Von den deutschen gefällt mir die Wiener Aufführung
ganz gut:
Aber die Niederländer sind
- wie immer – etwas “lockerer”:
Bringt das was zur Unterscheidung von deutschem und
niederländischem Humorstil? Darüber muss ich noch einmal nachdenken.
Sonntag, 18. März 2012
Nicolette Krebitz: Charmant und schön bei Krömer
Nicht jedem wird der Stil der Kurt-Krömer-Show etwas sagen, und genau genommen erfahren wir in dem folgenden Gespräch rein faktenmäßig nichts über Nicolette Krebitz, aber mir hat es dennoch einen Riesenspaß gemacht, und ich muss mir neu überlegen, ob ich wirklich in Berlin-Wilmersdorf eine Wohnung suchen soll:
Nicolette Krebitz: Als Sängerin bei Terranova
Hier vernetzen sich wieder die Berliner Kreativen: Schon in
der ersten CD Close the Door (1999) von
Terranova hat Nicolette Krebitz als “Coco” zu einigen Nummern gesungen, und auch
in der neuen CD Hotel Amour, über die
ich schon zu Anfang von Café Deutschland einen begeisterten Beitrag geschrieben habe, ist sie die Sängerin in der letzten Nummer Prayer:
Nicolette Krebitz: Die Regisseurin
Sie ist eine starke Frau und nicht zufrieden mit der
Profession als Schauspielerin, in die sie schon als Kind hineingerutscht ist:
sie will viel und Verschiedenes und Anderes und sie will selbst gestalten,
bestimmen und zeigen. Ihr zweiter Film als Regisseurin, Das Herz ist ein dunkler Wald (2007),
zu dem sie auch das Drehbuch geschrieben hat, zeigt das in besonderer Weise. Man
sieht, dass sie ihre Maßstäbe in der Berliner Schule, zwischen Petzold und
Hochhäusler, erarbeitet hat, aber ihnen etwas Eigenes, Surreales, Weibliches hinzufügt.
Mit Nina Hoss bedient sie sich einer Schauspielerin, die in den Filmen
Christian Petzolds ihre Welt gefunden hat und weiter findet (Yella, 2007 und Barbara, 2012), ist darin aber
radikaler und geht damit über die realistischen Bilderwelten der Berliner Schule hinaus.
Auch hier kann ich nur den Trailer bieten und empfehlen, sich diesen Film einmal im Kino oder auf einer DVD anzuschauen:
Auch hier kann ich nur den Trailer bieten und empfehlen, sich diesen Film einmal im Kino oder auf einer DVD anzuschauen:
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