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Dienstag, 20. März 2012

Perry Rhodan und ich

Als Kind wollte ich lange Zeit Indianer werden, aber dann hatte ich Anfang der sechziger Jahre eine erste intellektuelle Phase, die mich auf das Gebiet der Astronomie führte. Eine Reihe wunderbar bebilderter Bücher mit Monden und Sternennebeln faszinierte mich damals ganz außerordentlich. Sie liegen jetzt in einem Karton auf dem Dachboden, daneben das Fernrohr, 30x60, das mir den ersten Blick auf die Krater des Erdenmondes und auf das Hin und Her der vier sichtbaren Jupitermonde eröffnet hat. Ich kann noch immer alle Planeten und Monde des damals bekannten Sonnensystems aufsagen.

Diese Begeisterung führte zu dem beinahe fatalen Fehlschluss, dass ich einige Jahre später den mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig des Gymnasiums einschlagen zu müssen glaubte: Ich war inzwischen auch Abonnent einer Zeitschrift für Raumfahrt- und Raketentechnik geworden und sah meine berufliche Zukunft irgendwo zwischen Fernrohr und Mond. Das hätte mich beinahe ein Schuljahr gekostet, aber ich war immerhin so geistesgegenwärtig, mich auf halber Strecke wegen der Fünfen in Mathe und Physik in den neusprachlichen Zweig umsetzen zu lassen. Das ersparte mir die Erfahrung des Sitzenbleibens.

Was mir von den Naturwissenschaften geblieben ist, ist die Verbindung von Science und Fiction beziehungsweise meine Vorliebe für Science Fiction und utopische Romane, nicht viel mehr also als ein paar Hirngespinste. „Das gibt’s ja gar nicht“, pflegte mein Vater zu sagen. Der war realistisch und backte kleine Brötchen = er war Bäcker.
Da war zum Beispiel Perry Rhodan – Der Erbe des Universums, den gibt’s auch nicht. Aber so heißt eine deutsche Science-Fiction-Serie, die seit 1961 ununterbrochen wöchentlich erscheint und mit fast 1,5 Milliarden Gesamtauflage die größte Science-Fiction-Serie der Welt ist. Mehr als 2600 Hefte in mehreren Auflagen und allerlei Merchandising-Brimborium drum herum. Für das originale erste Heft werden inzwischen exotische Liebhaberpreise bezahlt. Die Perry Rhodan Community hat natürlich heute ihre Website.

Jahrelang habe ich Perry Rhodan gelesen und zwar mehr oder weniger heimlich, denn es passte nicht zum intellektuellen Anspruch des Gymnasiums. Man las Camus und Sartre, aber das tat ich sowieso. 
Die Perry-Rhodan-Autoren beuteten den Phantasieschatz der amerikanischen Science Fiction der vierziger und fünfziger Jahre aus, um jede Woche wieder ein Heft mit neuen Abenteuern liefern zu können. Die Titelbilder haben mir auch sehr gefallen, aber eher wegen der hübschen Weltraumimpressionen und Mondlandschaften mit Raumschiffen in unterschiedlichsten Ausführungen, und weniger wegen der amerikanisch-brutalen Astronautengesichter und der echsen- und mausartigen Aliens. Obwohl: First-Contact-Situationen habe ich noch heute gern.
Das legendäre erste Heft spielte auf dem Mond. Auch etwas mit First Contact. Der Anblick des Titelbildes ruft bei mir noch immer für einen Moment diesen ersten Thrill wieder auf, den ich zirka 200 Wochen lang mit dem neuen Heft in der Hand empfunden habe. Jahrelang habe ich es aufbewahrt und dann doch irgendwann weggeworfen. Es wäre jetzt mehr wert als manche ehrwürdige Erstausgabe der hohen deutschen Literatur.



Auf Facebook kann man Perry Rhodan als Freund anklicken. Das habe ich heute getan.

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