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Samstag, 27. August 2016

Helmut Newton - ein feministischer Fotograf (2): Die Reiterin

Eine Impression von meinem Besuch in der Newton-Ausstellung im Amsterdamer Foam-Museum:

Newton hat seine Bilder bis ins Detail künstlich und kunstvoll inszeniert. Manche Szenen sind surreal. Er scheut sich nicht, von – auf den ersten Blick - plumpen sexistischen Klischees Gebrauch zu machen, wie auf dem Schwarz-Weiß-Foto von der Frau mit dem Sattel. Der Sattel könnte das „punctum“ in diesem Bild sein (siehe meinen Beitrag zu den Fotos von August Sander). Er ist das Ungewöhnliche, denn noch niemand hat eine gesattelte Frau gesehen. Er suggeriert: die Frau soll oder will „geritten“ werden, ein ordinäres Synonym für männlich-dominanten Geschlechtsverkehr.


Helmut Newton (Titel und Jahr habe ich im Netz nicht gefunden)

Aber das optische Highlight in dem Foto ist nicht der Sattel, sondern das Gesicht der Frau, das durch die Beleuchtung hell hervorgehoben wird: glatte dunkle Haare, dunkle Lippen, schräg geschminkte Augen, schaut sie raubtierartig rechts aus dem Bild heraus, als ob sie ein dort befindliches Beutetier fixiert. Sie ist kein Opfer, jedenfalls!

Die Frau kniet, mit den Händen aufgestützt, auf einem sorgfältig gemachten bieder-bürgerlichen Ehebett mit Blümchenverzierungen und Nachttischchen links und rechts. Je länger ich hinsehe, desto größer und dominanter wirkt die Frau. Das Bett scheint zu klein für sie. (Eine Montage ist das ja nicht. Hat Newton sich ein extra kleines Bett liefern lassen? Übrigens ist auch der Sattel sehr klein!). 

Der irritierte Betrachter schaut länger und genauer. Wer wird hier reiten? Die Frau trägt einen offenherzigen schwarzen BH. Links und rechts sehen wir die Steigbügel des Sattelzeugs. Der rechte im Hintergrund hängt deutlich niedriger als der linke (damit wir ihn zwischen ihren Brüsten sehen können?). Bei näherem Hinsehen erkennen wir auch ihre Reithosen und die Reitstiefel mit Sporen. Der bügerliche Mann erstarrt: Sie ist gar nicht nicht das Reittier, sie ist die Reiterin!


Aber Alice Schwarzer hat das natürlich nicht gefallen.

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