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Sonntag, 17. Juli 2016

Das Unsichtbare sichtbar machen - Die neue Waisenbrücke zum Märkischen Museum

Das Märkische Museum ist das Hauptgebäude des Stadtmuseums Berlin. Es ist von altem Baumbewuchs umringt und dadurch im Sommer von allen Seiten so gut wie unsichtbar. Außerdem liegt es abseits der Touristenströme um das zukünftige Humboldtforum und ist von dort aus schwer erreichbar. Sogar wer am U-Bahnhof Märkisches Museum aussteigt, hat Mühe, das Gebäude zu finden. Verständlich, dass der neue Direktor des Stadtmuseums, der Niederländer Paul Spies, damit nicht zufrieden ist: Wer will schon Direktor eines unsichtbaren Museums sein?

Natürlich dürfen die Bäume nicht angetastet werden. Aber es gibt eine andere Möglichkeit: Vor dem Krieg führte die Waisenbrücke vom jenseitigen Spreeufer direkt auf das Museum zu. Sie wurde im Krieg schwer beschädigt und 1960 abgerissen. Ihre Wiederherstellung als Fußgänger- und Fahrradbrücke würde das Märkische Museum für die zahlreichen Besucher des Nikolaiviertels und anderer zentraler Berliner Sehenswürdigkeiten viel erreichbarer machen. Das folgende Foto zeigt das Museum mit seinem hohen Turm. Auf der gegenüberliegenden Seite der Spree sieht man deutlich das Uferfundament der ehemaligen Brücke:
 
Märkisches Museum (Foto: Dirk Lauben)
Der Plan für eine neue Brücke hätte bis vor kurzem keine Aussicht auf Erfolg gehabt. Nach der Aufwertung des Stadtmuseums durch den Senat und seine Anbindung an das riesige Humboldtforum, in dem Paul Spies auch eine große Fläche mit dem Thema Berlin–Welt–Stadt bespielen soll – den Plan dazu wird er morgen präsentieren – sind die Chancen jedoch gewachsen. Es war eine kluge Idee, das Brückenprojekt schon im Vorfeld zu lancieren. Es stößt sowohl bei älteren als auch bei jüngeren Berlinern auf offene Ohren, da es die Rekonstruktion des alten Stadtbildes mit der Erweiterung der Radwege verbindet.

Paul Spies bei seiner Ansprache am Spreeufer


Beim gestrigen Museumsfest gewann der Holländer mit seinem Radfahrercharme schon mal die Herzen der alten Berliner, die der Zukunft ihres verstaubten Museums mit einiger Skepsis entgegensehen. Und mir liegt das Stadtmuseum sowieso am Herzen, da ich als Student jahrelang als Aufseher im damaligen Berlin Museum gearbeitet habe.

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