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Montag, 9. November 2015

Die Austrocknung des FAZ-Feuilletons


Das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, jahrzehntelang führend in der deutschen Medienlandschaft, befindet sich im kontrollierten Sinkflug. Am 20. Juni 2014 war Frank Schirrmacher gestorben, der charismatische Feuilletonchef und Mitherausgeber der FAZ. Seit dem 1. Januar 2015 ist Jürgen Kaube sein Nachfolger in diesen Funktionen (mit Ausnahme des Charismas).

Felicitas von Lovenberg (Foto: FAZ)
Als ich vor zehn Tagen auf Spiegel-Online erfuhr, dass die Literaturchefin Felicitas von Lovenberg angekündigt hat, die FAZ zum Jahresende „aus persönlichen Gründen“ zu verlassen, nahm ich mir vor, den Stand der Dinge unter Jürgen Kaube näher zu recherchieren. Diese Arbeit hat mir jetzt Georg Diez vom Spiegel abgenommen: Im Spiegelheft dieser Woche (44/2015) zeichnet er in einem ausführlichen Artikel unter dem Titel „Sirene der Gegenwart“ ein Bild der Verdienste Schirrmachers sowie der Entwicklung nach seinem Tod.

Eine Reihe wichtiger Redakteure hat das Blatt bereits verlassen: Volker Weidermann, Dirk Schümer, Nils Minkmar, Gerhard Stadelmaier und nun also Felicitas von Lovenberg. Die Stellen werden nicht neu besetzt. Die Herausgeber der FAZ fahren eine Strategie der Austrocknung. Sie müssen in der digitalen Not der Printmedien viele Stellen einsparen, und das Feuilleton scheint nach ihrer Einschätzung nicht zu den Auflagengaranten zu gehören. Das Ende einer Ära!

Kommentare:

  1. Aber das Feuilleton stirbt ganz allgemein, nicht nur bei der FAZ, weil es der Vorbote des Zeitungssterbens ist. Und auch nicht jeder Abgang ist bedauerlich. Volker Weidermann etwa war kein "wichtiger Redakteur", sondern ein karrierebewusster Verfasser von schnell geschriebenen Homestorys über Autoren. Um andere ist es natürlich schade.

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    1. Na ja: Weidermanns "Lichtjahre" und "Ostende" gehen doch deutlich über "schnell geschriebene Homestorys" hinaus.

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